Am 10. Januar 2025 wurde an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) das Nutrition Skills Lab eröffnet. Es handelt sich um die erste Lehrküche in Brandenburg und Berlin, die speziell für Medizinstudierende konzipiert wurde. Ziel ist die praxisnahe Vermittlung ernährungsmedizinischer Inhalte, die in einem integrativen Konzept theoretisches Wissen mit praktischen Kocheinheiten verknüpfen.
Im Nutrition Skills Lab werden die Lehrinhalte auf spezifische Krankheitsbilder abgestimmt, beispielsweise auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese medizinischen Herausforderungen sind global von großer Bedeutung, insbesondere wenn man bedenkt, dass ernährungsassoziierte Erkrankungen häufig übersehen werden. In der traditionellen medizinischen Ausbildung wird Diätetik bislang kaum behandelt, was mitunter zu einem Wissensdefizit bei zukünftigen Ärzten führt.
Ein Vorstoß in die Ernährungsmedizin
Culinary Medicine, die hier als Konzept Anwendung findet, kombiniert Ernährungswissenschaften, Medizin und Kulinarik. Das Nutrition Skills Lab befindet sich im Haus N des Universitätsklinikums Ruppin-Brandenburg (ukrb) und wird von der Ernährungspsychologin Katharina Schramm geleitet. Unterstützt wird sie dabei von Diätassistent*innen und studentischen Tutor*innen. Die Initiative „MHB isst gesund“ fördert seit 2020 die Integration von Ernährungsmedizin in den Lehrplan der MHB.
Nach Angaben von Stiftung Hochschulelehre hat die MHB für die Entwicklung dieses Labors eine Förderung von 369.000 Euro erhalten. In den letzten vier Jahren wurden lediglich etwa 15 % der Medizinstudierenden mit ernährungsmedizinischen Inhalten vertraut gemacht.
Integration der DGE-Empfehlungen
Zusätzlich wird die Lehre durch die neuen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) bereichert, die im März 2024 veröffentlicht wurden. Diese Empfehlungen basieren auf einem evidenzbasierten Algorithmus, der sowohl Gesundheits- als auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Wie auf der Seite von Culinary Medicine Deutschland berichtet, zielt das neue Wahlfach darauf ab, die ernährungsmedizinischen Beratungskompetenzen zukünftiger Ärztinnen und Ärzte zu verbessern.
Eine zentrale Aufgabe der Studierenden besteht darin, die DGE-Empfehlungen in Musterrezepte zu übersetzen und diese in der Lehrküche zuzubereiten. Dabei gilt es nicht nur, das Wissen zu vertiefen, sondern auch die praktischen Fähigkeiten zu entwickeln, die für die Behandlung ernährungsassoziierter Erkrankungen notwendig sind. Rund 70-80 % aller Erkrankungen haben einen Ernährungshintergrund, was die Dringlichkeit solcher Programme unterstreicht.
Die innovative Ausstattung der Lehrküche und die angestrebte interprofessionelle Kooperation mit Ernährungs- und Pflegefachkräften sind weitere Schritte in Richtung einer umfassenderen Ausbildung. MHB-Vizepräsidentin Prof. Irene Hinterseher betont das Engagement der Studierenden, während Prof. Karsten-H. Weylandt den wertvollen Beitrag der Studierenden zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung herausstellt. Die Initiative plant, das Angebot kontinuierlich zu erweitern und innovative Workshops zu entwickeln, um die Ernährungsmedizin an der MHB weiter zu stärken.
Selina Böttcher, die den Werdegang der Initiative „MHB isst gesund“ beschreibt, hebt die Herausforderungen hervor, die im Laufe des Projekts zu bewältigen waren. Spenden werden über den Förderverein der MHB gesammelt, um die weiteren Projekte zu unterstützen und die Lehre auf einem hohen Niveau zu halten.