In Neu-Ulm hat der 19-jährige Marlon Bejarano aus Costa Rica eine bedrohliche Erfahrung gemacht, die die wachsende Problematik rechtsextremer Gewalt in Deutschland aufzeigt. Bejarano, der seit 1,5 Jahren in Deutschland lebt und eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert, entdeckte in einer Whatsapp-Gruppe ein Bild seiner Wohnungstür, die mit ausländerfeindlichen Parolen beschmiert war. Die Aufschrift „Hier wohnt ein Ausländer. Ausländer raus!!“ verdeutlicht, dass auch er nicht vor den hasserfüllten Äußerungen gefeit ist, die laut Schwäbische in seiner Nachbarschaft zunehmen.
Bejarano hatte vor seiner Abreise nach Deutschland positive Erfahrungen mit Mitbürgern gemacht, die er als „nett, höflich und gebildet“ beschreibt. Obwohl ihm ein Nachbar des Öfteren von den „komischen“ Deutschen berichtete, erlebte er bislang keine negativen Vorfälle. Dennoch gibt ihm das Geschmiere an seiner Tür und die Angst anderer Ausländer, die er versteht, zu denken. Trotz dieser bedrohlichen Situation, die ihn ratlos zurücklässt, hat Bejarano beschlossen, nicht die Polizei einzuschalten, da es in seinem Wohnheim keine Überwachungskameras gibt und er die Täter für nicht auffindbar hält.
Rechtsextreme Gewalttaten in Deutschland
Die Tat in Neu-Ulm ist nicht isoliert. Laut einem Bericht des Verfassungsschutzes gab es im Jahr 2023 bereits 25.660 rechtsextremistische Straftaten, was einen Anstieg um 22,4 % im Vergleich zu 2022 bedeutet. Die Anzahl der Gewalttaten, die diesem extremistischen Spektrum zuzuordnen sind, erreichte 1.148, was ebenfalls einen Anstieg von 13,0 % darstellt. Insbesondere Körperverletzungsdelikte mit fremdenfeindlichem Hintergrund haben alarmierende Zuwächse erlebt.
Der Anstieg rechtsextremer Gewalt und die damit verbundenen Gefahren stellen eine wachsende Bedrohung für die Sicherheit dar. So beschreibt das Bundesamt für Verfassungsschutz, dass sich etwa 32.000 Personen in Deutschland rechtsextrem eingestellt sind, wobei rund 13.000 von ihnen als gewaltbereit gelten. Dies macht die Problematik nicht nur regional, sondern bundesweit bemerkenswert und sorgt für besorgte Stimmen aus der Politik.
Gesellschaftliche Reaktionen und Politik
Der rechtsextreme Terror hat nicht nur zu einer Zunahme der Gewalt geführt, sondern auch zu einem gesellschaftlichen Umdenken. Die Bundesregierung hat verschiedene Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Hasskriminalität ergriffen und arbeitet an der Verhinderung extremistischer Gruppierungen. Dennoch ist der Hass, der durch die Taten von Tätern wie Tobias R. und Stephan B. sichtbar wird, nach wie vor eine Herausforderung. Letzterer plante einen Anschlag auf eine Synagoge, der im Internet übertragen wurde und zeigte, wie leicht sich Radikalisierung im digitalen Raum erfolgt, oft als Nachahmung von vorherigen Gewalttaten. Solche Vorfälle verdeutlichen, dass die Gefahren real sind und nicht ignoriert werden können.
Bejarano, der in Deutschland leben und studieren möchte, zeigt, dass eine gelungene Integration von Migranten auch von einem sicheren Umfeld abhängt. Die Bedrohungen durch rechtsextremistische Gewalt müssen ernst genommen werden, um zu verhindern, dass wie im Fall von Bejarano, das Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit bei den Betroffenen untergraben wird.