Mecklenburg-Vorpommern (MV) ist ein bundesweiter Ausreißer, wenn es um den Besitz von Bahnhofsgebäuden geht. Aktuellen Auswertungen zufolge, die von Allianz Pro Schiene veröffentlicht wurden, befindet sich der Großteil, nämlich 83% der insgesamt 130 Bahnhöfe im Land, in Privatbesitz. Die restlichen Bahnhöfe, lediglich sieben an der Zahl, stehen im Eigentum von Kommunen. Dies wirft die Frage auf, welche Auswirkungen diese Verteilung auf die Reisenden hat.

Die handfesten Veränderungen in der Struktur des Bahnhofsbesitzes gehen auf eine Reform aus dem Jahr 1994 zurück, die eine Selbstfinanzierung der Bahnhöfe erforderte. Diese Reform hat mittlerweile viele Bahnhöfe in die Hände von Privatpersonen, Unternehmen, Vereinen oder Genossenschaften gegeben. In diesem Kontext wird auch die Privatisierung von Infrastruktur in Deutschland immer wieder diskutiert. Kritiker argumentieren, dass eine solche Politik nicht zwangsläufig zu mehr Effizienz und Gemeinwohl führt, wie im Fall des Flughafens BER oder des Nürburgrings zu beobachten ist (bpb.de).

Positives Beispiel kommunaler Übernahme

Als positives Beispiel für die Wiederbelebung von Bahnhöfen durch kommunale Träger dienen die Bahnhöfe in Stollberg (Sachsen) und Rottenbach (Thüringen), die für ihre zusätzlichen Dienstleistungen ausgezeichnet wurden. Diese Bahnhöfe bieten Annehmlichkeiten wie ein Café und Verkaufsstände für regionale Produkte, was sie zu wichtigen Anlaufstellen für Reisende macht. Dies wirft die Frage auf, ob ähnliche Modelle in Mecklenburg-Vorpommern möglich wären, um die Bahnhöfe wieder attraktiver zu gestalten.

Allianz Pro Schiene setzt sich entschieden für einen Stopp der Verkaufspraktiken und die Wiederherstellung der Nutzbarkeit von Bahnhofsgebäuden ein. Die Organisation fordert auch von der Bundesregierung, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und die Bahnhöfe zu modernisieren. In MV sind nur 15 Bahnhöfe im Besitz des Bundes oder Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn, was die Abhängigkeit von privaten Eigentümern verstärkt.

Risiken der Privatisierung

Trotz der ökonomischen Vorteile, die die Privatisierung mit sich bringen kann, bergen solche Modelle auch Risiken. Die Funktion der Bahnhöfe als zentrale Anlaufpunkte für Reisende könnte durch private Interessen beeinträchtigt werden. Die Kehrseite der Medaille ist, dass viele Menschen die potentiellen Nachteile der Privatisierung nicht aus den Augen verlieren dürfen. In der Sozialen Marktwirtschaft hat das Prinzip private Initiative Vorrang vor staatlichem Handeln, doch ist es ebenso wichtig, dass der Staat entsprechende Rahmenbedingungen schafft (bpb.de).

Die Diskussion um den Einfluss privater Unternehmen auf lebenswichtige Infrastrukturen wird künftig verstärkt in den Fokus rücken. Mit dem Aufkommen von Problemstellungen wie der gegenwärtigen Situation bei Bahnhöfen könnte sich der Staat gezwungen sehen, wieder aktiver in der Gestaltung der Infrastruktur einzugreifen, um ein Gleichgewicht zwischen privatem und öffentlichem Interesse zu gewährleisten.

Letztlich ist klar: Die Zukunft der Bahnhofsgebäude in Mecklenburg-Vorpommern und bundesweit wird entscheidend davon abhängen, wie diese Herausforderungen angegangen werden und welche politischen Maßnahmen ergriffen werden, um die Bedürfnisse der Reisenden zu erfüllen.