In der Stadt Overath hat sich eine kontroverse Diskussion um die Einführung eines eigenen Kraftfahrzeugkennzeichens entfaltet. Eric Renneberg von den Grünen äußerte im Ausschuss für Zukunft, Umwelt, Mobilität und Tourismus (ZUMT), dass er, trotz Kenntnis aller über 700 Kfz-Kennzeichen in Deutschland, gegen den Vorschlag eines eigenen Nummernschilds für die Stadt sei. Bürgermeister Christoph Nicodemus hatte ursprünglich das Kennzeichen „OV“ vorgeschlagen, das bereits in den Logos der Stadt Verwendung findet. Eine Initiative der Hochschule Heilbronn befürwortet die Einführung eigener Kennzeichen für mittelgroße Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern.
Der Vorschlag für Overath, das Kürzel „OV“ zu verwenden, könnte langfristig die Chance auf ein eigenes Kennzeichen erhöhen. Dies würde nicht nur die lokale Identifikation fördern, sondern auch wirtschaftliche und touristische Vorteile mit sich bringen. In der Vergangenheit hat die „Kennzeichenliberalisierung“ von 2012 bereits mehr als 300 Städten die Rückkehr ihrer alten Kennzeichen ermöglicht. Während rund 10,5 Millionen Menschen in deutschen Mittelstädten derzeit auf Kennzeichen von Landkreisen oder anderen Städten angewiesen sind, zeigt eine Studie, dass über 72 Prozent der Befragten in diesen Städten eine Rückkehr zu alten Kennzeichen wünschen.
Vorteile und Bedenken der Einführung
Nicodemus argumentiert, dass ein eigenes Kennzeichen nicht nur das lokale Zugehörigkeitsgefühl stärken, sondern auch die Anzahl der Wunschkennzeichen erweitern könnte. Dennoch äußerte die CDU Bedenken hinsichtlich eines möglicherweise höheren Verwaltungsaufwands, der durch die Einführung eines neuen Kennzeichens entstehen könnte. Renneberg hingegen plädierte dafür, den Fokus auf den Zusammenhalt der Gemeinde zu legen, statt auf Abgrenzung durch spezifische Kennzeichen.
Die Fahrzeugzulassungsverordnung (FZV) regelt allerdings, dass neue Kennzeichen nur beantragt werden können, wenn es an bestehenden Kombinationen mangelt. Ein neues Projekt zur Kennzeichenliberalisierung könnte diese Regelung aufheben, sodass Städte unabhängig von der Verfügbarkeit bestehender Kennzeichen eigene Nummernschilder beantragen können. Professor Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn unterstützt diese Idee und sieht in der Einführung neuer Kennzeichen eine Möglichkeit, die Sichtbarkeit und Identifikation der Städte zu verbessern.
Zukunftsperspektiven für Overath und andere Städte
Die Diskussion um eigene Kennzeichen könnte sich auf andere Städte ausweiten. Städten wie Bad Vilbel wird derzeit ebenfalls die Möglichkeit in Aussicht gestellt, eigene Kennzeichen zu erhalten. Ein bundesweites Interesse an neuer Kennzeichenvergabe zeigt sich auch durch die bereits geäußerten Wünsche vieler Gemeinden nach eigenen Kfz-Kennzeichen. Über 328 Städte haben bereits ihre historischen Kennzeichen zurückerhalten.
Die Initiative für ein eigenes Kennzeichen in Overath wurde letztlich mehrheitlich abgelehnt, jedoch bleibt die Diskussion über die Identifikation und das Zugehörigkeitsgefühl in der Region auf der Agenda. Das Bundesverkehrsministerium hat signalisiert, dass es bereit ist, den Wunsch nach mehr lokaler Verortung durch neue Kennzeichen zu prüfen.
Insgesamt könnte die zukünftige Entwicklung der Kennzeichenregelung in Deutschland die Identität mittelgroßer Städte stärken und ihnen helfen, im Wettbewerb um Zuzug, Investitionen und Tourismus relevanter zu werden. Details zu bestehenden und neuen Kfz-Kennzeichensystemen sind in der Wikipedia aufgeführt.