Die Kinos im Rhein-Sieg-Kreis sehen sich wachsenden Herausforderungen gegenüber, die hauptsächlich durch die Konkurrenz von Streamingdiensten begünstigt wurden. Immer mehr Kinobetreiber verzeichnen sinkende Umsätze, während Plattformen wie Netflix und Disney+ während der Corona-Pandemie eine nie dagewesene Popularität erlangten. Das Siegburger Cineplex, das 2025 sein 25-jähriges Jubiläum feiert, hat im Jahr 2024 schlechtere Verkaufszahlen als im Vorjahr verzeichnet und ist nach wie vor unter dem Umsatzniveau vor der Pandemie.

Claudia Hebbel, Geschäftsführerin des Cineplex Siegburg, nennt mehrere Gründe für diesen Rückgang. Großereignisse wie die Olympischen Spiele und die Fußball-Europameisterschaft haben maßgeblich zum Umsatzmanko beigetragen. Zudem führten ungünstige Verschiebungen der Filmstarts infolge des Autoren-Streiks in den USA zu einer reduzierten Filmvielfalt. Während die Übertragungen von Sportevents im Kino nicht den gewünschten Erfolg brachten, kann die Reihe „Seniorenkino“ am Mittwoch als herausragendes Angebot angesehen werden, das oft ausverkauft ist.

Streaming als Konkurrenz

Die Corona-Pandemie hat Streamingdiensten enormen Auftrieb gegeben. finanzen.net berichtet, dass während der Lockdowns eine beispiellose Beliebtheit von Plattformen wie Netflix zu verzeichnen war. Der Anstieg an Abonnements, insbesondere durch Eigenproduktionen wie „Tigerking“, verdeutlicht den Trend weg von Kinobesuchen hin zu Streaming. Die finanzielle Lage der Kinos ist auch deshalb angespannt, weil einige Filme direkt auf Streaming-Plattformen veröffentlicht wurden, anstatt im Kino zu starten.

Die Unsicherheit unter Filmproduzenten hinsichtlich der Kinoausstrahlung wächst, was die Vorhersage von Filmerfolgen erschwert. Unerwartete Flops sind häufig, und der Druck auf Kinos, eine abwechslungsreiche Programmgestaltung anzubieten, wird durch die strikten Vorgaben der Filmverleiher zusätzlich verstärkt.

Rückblick und Ausblick

Die Situation der Kinos nach der Corona-Pandemie ist komplex. Laut der Filmförderungsanstalt (FFA) stieg die Zahl der Kinobesucher im Jahr 2022 und im ersten Quartal 2023 wieder an, jedoch hat die Kinorreichweite im Vergleich zu 2019 abgenommen. Im ersten Quartal 2023 lag die Kinoreichweite bei 13,1 Millionen Besuchern, was 20% der Bevölkerung entspricht, aber dennoch vier Prozentpunkte weniger als 2019 sind.

Das Kur-Theater in Hennef hat ebenfalls mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen, mit weniger als 14.000 Ankommenden in 2024, obwohl das Haus trotz dreimonatiger Schließung stabil bleiben konnte. Die Flexibilität in der Programmgestaltung ist unerlässlich, um dem Kinopublikum gerecht zu werden. Für die kommenden Jahre setzen viele Kinos auf die Fortsetzung bekannter Filme, wie „Avatar: Fire and Ash“, um die Zuschauer zurückzugewinnen.

Während die Herausforderungen groß sind, bleibt die Hoffnung bestehen, dass durch innovative Programmgestaltungen und zusätzliche Angebote, wie die CineArt-Reihe oder „Best of Cinema“, neue Zielgruppen erschlossen werden können.