Israel und die militant-islamistische Gruppe Hamas haben sich grundsätzlich auf eine Waffenruhe im Gazastreifen geeinigt. Der aktuelle Stand wurde durch intensive Vermittlungsgespräche in Doha, Katar, erreicht, in denen letzte Detailfragen zur Umsetzung der Waffenruhe noch offen sind. US-Außenminister Antony Blinken teilte mit, die Zustimmung der Hamas stehe jedoch noch aus. Eine mögliche Einigung könnte in Form einer gemeinsamen Erklärung von den USA, Katar und Ägypten bekanntgegeben werden, während in Tel Aviv Tausende auf eine Zustimmung der Hamas hoffen. In Jerusalem protestieren Hunderte gegen einen möglichen Deal, was die Spannungen weiter anheizt.
Der Krieg im Gazastreifen dauert seit dem verheerenden Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 an, bei dem 1.208 Menschen getötet wurden. Seitdem sind laut Berichten über 46.600 Palästinenser ums Leben gekommen, und mehr als 110.000 wurden verletzt. In dieser dramatischen Lage bereiten sich israelische Krankenhäuser auf die Behandlung freigelassener Geiseln vor. Ziel ist die Rückholung von 98 Geiseln, deren Gesundheitszustand unklar ist.
Details zur Waffenruhe
Die angestrebte Waffenruhe soll zunächst auf etwa 42 Tage begrenzt sein. In einer ersten Phase sollen 33 „humanitäre Fälle“ freigelassen werden. Am ersten Tag hat Hamas angekündigt, drei Geiseln freizulassen, gefolgt von einem Rückzug der israelischen Armee. Sieben Tage nach Beginn der Vereinbarung sollen vier weitere Geiseln freigelassen werden. Gleichzeitig plant Israel die Freilassung von rund 1.000 palästinensischen Häftlingen, um das Vertrauen während der Verhandlungen zu stärken.
Die US-Regierung, unter Präsident Joe Biden, hat signalisiert, dass man am „Rande“ einer Einigung steht. Auch der künftige US-Präsident Donald Trump, der am 20. Januar 2025 ins Amt kommt, übt Druck auf die Verhandlungspartner aus, um die Geiseln bis zu seinem Amtsantritt zurückzuholen. Trump drohte, dass es „Hölle“ im Nahen Osten geben würde, wenn die Geiseln nicht rechtzeitig zurückkehren. In Israel sind große Anzeigetafeln mit Trumps Bild und der Botschaft „Alle Geiseln müssen bis zum 20. Januar zurück sein“ zu sehen.
Stimmen aus dem Volk
Die Angehörigen der Geiseln befinden sich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Während einige, vertreten durch das Tikvah-Forum, eine Waffenruhe ablehnen und vielmehr auf militärische Gewalt setzen, plädieren andere für eine Verhandlungslösung. Der Bruder eines entführten Mannes, Michael Levinson, äußert, dass der Krieg enden müsse und die Geiseln schnellstmöglich freikommen sollten. Inmitten dieser Spannungen hat Almog, der vierjährige Sohn von Or Levinson, seit dem 7. Oktober seine Eltern verloren.
Die aktuellen Verhandlungen zur Waffenruhe und für die Geiselfreilassung sind die ersten seit Monaten, die signifikante Fortschritte zeigen. HWährend sowohl Biden als auch Trump Druck auf die Verhandlungspartner ausüben, bleibt abzuwarten, ob eine förmliche Bestätigung der Fortschritte in naher Zukunft erfolgen wird. Laut einem hochrangigen Hamas-Vertreter hat man sich auf Kernfragen verständigt, was die Hoffnung auf eine langfristige Lösung stärkt.
Insgesamt bleiben die Überlebensbedingungen für die noch 98 in Gewahrsam gehaltenen Geiseln ungewiss, was die Dringlichkeit dieser Verhandlungen unterstreicht.