Tim Mälzer, bekannt als Fernsehkoch und Gastronom, hat ein Projekt ins Leben gerufen, das die Lebensqualität in Pflegeheimen verbessern soll. Angestoßen von der Trauer um seinen verstorbenen Vater, beschloss Mälzer, der Welt der Altenpflege näherzukommen. Dies führte zu seinem aktuellen Projekt „Herbstresidenz“, das in Partnerschaft mit Schauspieler André Dietz realisiert wird. Ziel dieses Projekts ist es, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu Alltagshelfern in Pflegeeinrichtungen zu qualifizieren, um frischen Wind und Emotionen in die oft trostlosen Heime zu bringen. Laut dem Bericht von ksta.de wird Mälzer konkret zehn Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen für 90 Tage in einem Pflegeheim ausbilden.

Um die Perspektive der Bewohner besser zu verstehen, zieht Mälzer selbst in das Altenzentrum St. Nikolaus in Bernkastel-Kues ein. Er beschreibt sein Zimmer als „wie im Krankenhaus“ und äußert Unbehagen über die starre und ungemütliche Atmosphäre im Heim. Die negativen Gefühle, die er hier empfindet, sind nicht unbegründet: Viele Senioren berichten von einer Ausweglosigkeit und dem Sehnen nach einem würdigen Ende, was Mälzer stark beschäftigt. Ob dieser Einzug tatsächlich der Beginn des eigenen Sterbens ist, ist eine Frage, die er sich eindringlich stellt.

Herbstresidenz: Ein neuer Ansatz für Altenpflege

Im Rahmen des „Herbstresidenz“ – Projekts, das am 5. März 2025 auf VOX startet, sind auch konkrete Maßnahmen geplant. Mälzer und die Auszubildenden arbeiten daran, die Wände des Heims in warm ansprechenden Farben zu streichen und persönliche Fotos der Bewohner aufzuhängen. Diese kleinen Veränderungen sollen dazu beitragen, eine heimelichere Atmosphäre zu schaffen. Auch gemeinsame Kochaktivitäten mit den Senioren sind Teil des Konzepts. Mälzer hat festgestellt, dass das Essen in vielen Pflegeheimen oft unappetitlich und geruchsneutral ist, was zu einer weiteren Entfremdung der Bewohner führt. Er hofft, dass durch gemeinsames Kochen nicht nur kulinarische Fähigkeiten der Senioren gefördert, sondern auch soziale Kontakte gestärkt werden.

Eine zusätzliche Entlastung für das Pflegepersonal bringt das Projekt ebenfalls, da die neuen Auszubildenden die Hauptversorgung der Bewohner übernehmen können. Es zeigt sich, dass alle Azubis Jobangebote von der Pflegeeinrichtung erhalten, was pekuniäre Sicherheit und neue Perspektiven in einem oft angespannten Arbeitsumfeld schafft. Mälzer selbst betont, dass er sich keineswegs als Heilsbringer sieht, sondern vielmehr als jemand, der auf die Missstände in der Altenpflege aufmerksam machen möchte. Auch soziale Verantwortung steht stark im Fokus seines Engagements.

Gesellschaftlicher Wandel und Inklusion

Die Bedeutung sozialer Beziehungen und die Erhöhung der Lebensqualität für ältere Menschen, insbesondere für Menschen mit Behinderungen, sind zentrale Themen der aktuellen Diskussion über die Altenpflege. Studien, wie die Lequi-Studie, zeigen, dass geistig behinderte Menschen emotionale Überforderung erleben und häufig in Einrichtungen leben, die nicht ideale Bedingung für Inklusion bieten. Experten fordern ein Umdenken in der Gesellschaft, um Quartierskonzepte zu schaffen, die gemeinsames Leben fördern und Angebote für alle bereitstellen können. Mälzers Projekt könnte hier als Vorbild dienen und eine Welle von gesellschaftlichem Engagement anstoßen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Tim Mälzers „Herbstresidenz“ nicht nur das Ziel hat, die Lebensbedingungen im Pflegeheim zu verbessern, sondern auch eine breitere Diskussion über das Leben und die Inklusion älterer und behinderter Menschen in der Gesellschaft anzustoßen. Ein Umdenken ist dringend notwendig, um älteren Menschen ein würdevolles und erfülltes Leben zu ermöglichen.