In Dortmund haben die SPD-Kandidaten Sabine Poschmann und Jens Peick bei der Bundestagswahl die meisten Erst- und Zweitstimmen gewonnen. Besonders bemerkenswert ist jedoch der Anstieg der Stimmen für die AfD, die in beiden Dortmunder Wahlkreisen ihr Ergebnis mehr als verdoppeln konnte. Bei der Bundestagswahl erzielte die AfD insgesamt rund 18 Prozent der Zweitstimmen, was etwa 10 Prozentpunkten mehr entspricht als bei der Wahl im Jahr 2021. Diese Entwicklung wird von einem deutlichen Zuwachs des Wählerpotenzials der Partei begleitet, wie derwesten.de berichtet.

Die AfD-Abgeordnete Matthias Helferich, der in Dortmund II mehr als 18 Prozent der Erststimmen erhielt, hielt vor dem Rathaus Statements, während es zu einem Polizei-Einsatz im Kontext einer Demonstration gegen die AfD kam. Demonstranten trugen Transparente mit Slogans wie „Gegen die AfD und ihre Fans“. Um den Zugang zum Rathaus zu sichern, wurde ein Großaufgebot der Polizei mobilisiert und die Türen des Rathauses geschlossen.

Demonstrationen und Spannungen

Inmitten der politischen Spannungen kam es zu einer Demonstration, bei der einige Aktivisten es schafften, ins Rathaus zu gelangen. Dort hängten sie Transparente mit Forderungen wie „Sichere Fluchtwege jetzt“ und „Keine weiteren Kältetoten. Hilfe sofort.“ auf. Diese Aktionen erfolgten im Kontext mehrerer Obdachloser, die in Dortmund an Kälte gestorben waren. Die Polizei stellte mehrere Personen und erteilte fünf Platzverweise, während Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Waffengesetz erstattet wurden.

Die Entwicklungen in Dortmund sind nicht isoliert zu betrachten. In ganz Nordrhein-Westfalen zeigt sich ein gemischtes Bild der AfD. Während die Partei im Oberbergischen und in Ostwestfalen stark auf Stimmen von bestimmten Gemeinschaften und Szenen zählen kann, bleibt sie in städtischen Hochburgen wie Münster unterhalb der 5-Prozent-Marke. In Münster beispielsweise ist die politische Szene von einem progressiv-katholischen Bürgertum geprägt, was der AfD seit ihrer Gründung Schwierigkeiten bereitet, wie WDR berichtet.

Allgemeine Trends und Herausforderungen

Landesweit zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen den Wahlergebnissen von AfD und Grünen: Wo die AfD stark ist, sind die Grünen schwach und umgekehrt. Solche Polarisierungen könnten in Zukunft verstärkt auftreten. In Städten wie Köln, Bonn und Aachen liegt die AfD weiterhin unter 10 Prozent. Der Erfolg der AfD wird zusätzlich durch die aktuelle politische und wirtschaftliche Unsicherheit, etwa durch den Ukraine-Krieg, begünstigt.

Im Berlin-Reinickendorf feierte die AfD mit einem historischen Ergebnis von knapp 20 Prozent eine Wahlparty, auch wenn die Stimmung verhalten blieb. Parteivorsitzende Alice Weidel forderte eine Koalition mit der Union und warnte vor einem vermeintlichen Betrug an den Wählern. Dennoch zeigt die AfD, dass sie sich seit ihrem Einzug in den Bundestag 2021 mit rund 10,4 Prozent radikalisiert hat und zunehmend populistische Ansätze verfolgt.

Die Umfragen sind widersprüchlich und zeigen, dass viele AfD-Wähler gegen eigene Interessen stimmen, oft motiviert durch Ressentiments und nicht durch das wirtschaftliche Interesse an der Agenda der Partei. Der Sozialpsychologe Oliver Decker hebt hervor, dass sich demokratische Parteien verstärkt sozialen Themen widmen sollten, da diese bei vielen Wählern entscheidend für die Wahlentscheidung sind, wie taz.de feststellt.