Prof. Dr. Andreas Lammer hat seit 2025 eine Professur für Arabistik mit dem Schwerpunkt Wissensgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum inne. Er steht in einer Tradition, die seit den 1970er-Jahren über die Region hinaus strahlt und sich intensiv mit der Philosophie und Wissenschaft des Arabischen Raums beschäftigt, insbesondere mit dem Werk des bedeutenden arabischen Gelehrten Avicenna (Ibn Sīnā). Avicenna, als Arzt, Philosoph, Naturwissenschaftler und Mathematiker bekannt, hat die Philosophie Aristoteles’ überarbeitet und in einem einheitlichen System zusammengeführt, dessen Bedeutung bis heute anhaltend ist, wie news.rub.de berichtet.

Lammer hat einen „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) erhalten, um das internationale Forschungsprojekt „Avicenna Live: The Immediate Context of Avicenna’s Intellectual Formation“ (ALIVE) zu leiten. Dieses Projekt wird seit 2024 mit 1,5 Millionen Euro bis Ende 2028 gefördert. Im Rahmen seiner Forschung plant Lammer den Aufbau eines Avicenna-Forschungszentrums an der Fakultät für Philologie in Bochum und möchte internationale Forscherinnen und Forscher nach Bochum einladen, um mit ihnen zusammenzuarbeiten und weitere Drittmittel zu generieren.

Forschungsschwerpunkte und akademische Laufbahn

Andreas Lammers Forschung umfasst nicht nur die Philosophie Avicennas, sondern auch die Rezeption (spät-)antiker griechischer Wissenschaften in der islamischen Welt und den Einfluss arabischer Texte auf die Geistesgeschichte Europas. Diese Themen sind von zentraler Bedeutung, da arabischsprachige Gelehrte zwischen dem 8. und 14. Jahrhundert entscheidende Beiträge zur modernen Wissenschaft und Philosophie leisteten, eine Periode, die oft als „Goldenes Zeitalter des Islam“ bezeichnet wird, in dem Arabisch die Lingua franca der Wissenschaft war, wie qalamquest.com erklärt.

Lammer hat an renommierten Universitäten studiert und gelehrt. Seine akademische Laufbahn umfasst:

  • 2005-2008: Studium der Philosophie und Germanistik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
  • 2008-2009: Masterprogramm in Philosophie am King’s College London
  • 2012-2016: Promotionsstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 2018: Promotion in Philosophie und Arabistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 2018-2022: Juniorprofessur für Arabische Philosophie, Kultur und Geschichte an der Universität Trier
  • 2022-2024: Associate Professor für Philosophiegeschichte an der Radboud Universität Nimwegen in den Niederlanden

Publikationen und Weiterentwicklung der Arabistik

Zu Lammers Publikationen zählt unter anderem die Monographie „The Elements of Avicenna’s Physics: Greek Sources and Arabic Innovations“ (De Gruyter 2018). Zudem veröffentlichte er eine Übersetzung der „Inkohärenz der Philosophen“ von al-Ġazālī (Herder 2024). In seinen Arbeiten reflektiert er die komplexen Wechselwirkungen zwischen der arabischen und der europäischen Geistesgeschichte. Arabische Gelehrte wie Avicenna haben nicht nur philosophische Systeme entwickelt, sondern auch wesentliche medizinische Werke verfasst. Avicennas „Kanon der Medizin“ wurde über Jahrhunderte hinweg in Europa und im Nahen Osten als Maßstab anerkannt.

Die Beiträge arabischer Wissenschaftler zur Medizin, Mathematik und Astronomie sind unbestritten. Namen wie Al-Khwarizmi, der als Vater der Algebra gilt, oder Al-Razi, der zwischen Pocken und Masern unterschied, sind nur einige Beispiele für das reiche Erbe, das die arabische Wissenschaft hinterlassen hat. Diese Errungenschaften bildeten auch eine Grundlage für die europäische Renaissance, die stark von den Übersetzungen arabischer Werke beeinflusst wurde.

Insgesamt zeigt Lammers Forschung, wie wichtig der arabische Beitrag zur Wissenschaft und Philosophie in der Geschichte war und wie dieser bis heute in der akademischen Diskussion relevant bleibt. Dies unterstreicht die Bedeutung kulturellen Austauschs, um das Wissen der Menschheit voranzubringen, wie auch in den Studien zur arabischen Wissenschaft und Philosophie deutlich wird.