Die neuen Machthaber in Syrien haben den Vertrag mit dem russischen Unternehmen Stroytransgaz für den Militärstützpunkt in Tartus beendet. Dieser Schritt markiert das Ende eines Abkommens, das ursprünglich bis 2068 laufen sollte und Investitionen von 500 Millionen Dollar für die Modernisierung des Hafens vorsah. Der Hafen in Tartus, der einzige russische Hafen im Mittelmeer, spielte eine zentrale Rolle in Russlands militärischem Engagement in der Region, zusammen mit dem Luftwaffenstützpunkt in Hmeimim, der ebenfalls von strategischer Bedeutung ist, um Operationen in Afrika zu unterstützen. Berichte über einen russischen Abzug kursieren bereits seit mehreren Wochen.

Der Direktor des Zollamts in Tartus, Riad Judy, bestätigte, dass alle Einnahmen aus den Hafenoperationen nun dem syrischen Staat zugutekommen. Dies zeigt die Absicht der neuen syrischen Regierung, den Einfluss Moskaus zu verringern. Der ukrainische Militärgeheimdienst berichtete, dass russischen Schiffen die Einfahrt in den Hafen verweigert wurde, und das US-Thinktank Institut für Kriegsstudien (ISW) meldete den Abzug russischer Marineschiffe aus Tartus.

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Auswirkungen auf die russische Marinepräsenz

Die Evakuierung von Tartus hat bereits begonnen. Das russische Frachtschiff „Sparta II“ steuerte den Hafen an, um Ausrüstung nach Libyen zu transportieren, während ein weiteres Schiff, die „Sparta“, ebenfalls in Tartus registriert wurde. Analysten sehen die Vertragskündigung als einen weiteren Schritt zur Eliminierung der russischen Präsenz in Syrien, was insbesondere nach dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Bashar al-Assad deutlich wurde. Russland hatte versucht, seine Militärbasen, einschließlich Tartus, durch Gespräche mit der Rebellengruppe Hayat Tahrir Al-Sham (HTS) zu sichern.

Die Bedeutung des Marinestützpunkts in Tartus wird von Experten als strategisch hoch eingestuft. Dies widerspiegelt sich auch in den jüngsten militärischen Manövern russischer Schiffe im Mittelmeer in der Nähe von Tartus, die darauf hindeuten, dass Russland möglicherweise hinter den Kulissen verhandelt, um seine Basen zu behalten.

Die geopolitischen Reaktionen

Russische Offizielle, darunter der Sprecher des Präsidialamts, Dmitri Peskow, haben die Diskussion über eine mögliche vollständige Evakuierung als „verfrüht“ bezeichnet. Dennoch ist unklar, wohin die russischen Schiffe, die Tartus verlassen, fahren werden. Einige Beobachter spekulieren über mögliche Optionen für Russlands Militär bei einem Abzug aus Syrien, darunter Libyen, Mali und Sudan, jedoch mit dem Vorbehalt, dass in diesen Ländern keine vergleichbare Infrastruktur wie in Syrien vorhanden ist.

Erstmals seit Langem haben die islamistischen Rebellen unter Führung von HTS Moskau Sicherheit für deren Militärstützpunkte zugesichert, was zur Hoffnung Russlands führt, eine gewisse Kontrolle über die zukünftige Entwicklung in Syrien zu behalten. Politologe Mark Galeotti betont, dass sowohl Tartus als auch Hmeimim für russische Aktivitäten im Mittelmeer und Afrika von entscheidender Bedeutung sind.

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Die bevorstehenden Entwicklungen dürften entscheidend dafür sein, wie es mit den russisch-syrischen Beziehungen weitergeht und welche Auswirkungen dies auf die geopolitische Landschaft der Region hat. Das Vertrauen in Moskau könnte schwinden, während die neuen Machthaber versuchen, sich von der bisherigen russischen Dominanz zu lösen.