Der russische Musiker und Gitarrist Vadim Stroykin starb tragisch während einer polizeilichen Durchsuchung in St. Petersburg. Die Behörden führten die Razzia aufgrund von Vorwürfen durch, dass Stroykin an Geldüberweisungen für das ukrainische Militär beteiligt gewesen sein soll, was in Russland als Extremismus gilt. Er hätte im Falle einer Verurteilung mit bis zu 20 Jahren Gefängnis rechnen müssen. Das Staatliche Ermittlungskomitee hat bereits eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt, der sich am 7. Februar 2025 ereignete, als Stroykin aus dem 10. Stock seiner Wohnung stürzte und zehn Stockwerke tiefer tot aufgefunden wurde, berichtet t-online.de.

Vor seinem Sturz bat der 59-Jährige laut Berichten um Erlaubnis, in die Küche zu gehen, um Wasser zu trinken. Letzte Sichtungen deuten darauf hin, dass Stroykin den Raum verlassen hatte, bevor er aus dem Fenster fiel. Es gibt Berichte, die auf einen möglichen Suizid hindeuten, insbesondere eine Meldung von der Nachrichten-Website Fontanka, die die Umstände seines Todes beleuchtet. Seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine haben sich in Russland immer wieder rätselhafte Fensterstürze und tödliche Unfälle, insbesondere unter ranghohen Persönlichkeiten, gehäuft, wie n-tv.de berichtet.

Ein Leben für die Musik

Stroykin wurde in Sneschinsk im Ural geboren und lebte später in Jekaterinburg. Sein Interesse für Musik entwickelte sich bereits in der Schulzeit, wobei er sich die Grundlagen der Gitarre größtenteils selbst beigebracht hat. In den 1990er Jahren schloss Stroykin die British School of Journalism ab und war als Autor sowie Moderator einer Radiosendung für Barden-Musik beim Radiosender Echo of Moscow – Jekaterinburg tätig. Diese Plattform wurde 2022 aufgrund ihrer Berichterstattung über den Ukraine-Krieg vom Netz genommen. Stroykin äußerte sich kritisch gegenüber dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in den sozialen Medien, berichtete t-online.de.

Die traurigen Umstände von Stroykins Tod sind nicht isoliert. Ähnliche Vorfälle wurden zuvor bei anderen bekannten Persönlichkeiten dokumentiert. Im Juli 2024 stürzte die Ökonomin Valentina Bondarenko, und auch der Oligarch Michail Rogatschow hatte im Oktober des gleichen Jahres einen tödlichen Sturz. Des Weiteren starb der Lukoil-Vorstand Rawil Maganow beim Sturz aus einem Moskauer Krankenhaus, und Lukoil-Manager Alexander Subbotin kam angeblich während einer okkulten Behandlung ums Leben. Solche Fälle werfen Fragen über die Sicherheit und die Umstände, unter denen Personen in Russland leben, auf.

Die aktuelle Musikszene in Russland

Angesichts der politischen Repression steht die russische Musikszene vor großen Herausforderungen. Immer mehr Künstler äußern offen ihre Zweifel und Kritik am Krieg. Trotz der schwierigen Situation lebt die Szene weiter. Besonders herausstechend ist die Zusammenarbeit von Künstlern wie Sergei Schnurow und der jungen Rapperin Istansamka, die im November ein gemeinsames Minialbum veröffentlichten. Doch auch diese Versuche, das kulturelle Erbe fortzuführen, sind nicht ohne Widerstand. Istansamka erhielt Auftrittsverbote in mehreren Städten, weil ihre Inhalte als bedrohlich für die Familienwerte angesehen wurden, was darauf hinweist, wie stark die politische Atmosphäre in der Kunstszene wirkt.

Musikkritiker reagieren auf die aufblühende, aber gespaltene Szene, die in verschiedene Lager unterteilt wird – von regierungstreuen Künstlern bis hin zu solchen, die das Land verlassen haben, um unabhängig und protestierend Musik zu machen. Der reaktivierte „Steppenwolf“-Preis soll dazu dienen, die aktuelle Entwicklung der russischen Musikszene zu bewerten, wobei viele der nominierten Lieder als Antikriegslieder charakterisiert werden. Das lässt auf eine tiefe Spaltung innerhalb der künstlerischen Gemeinschaft schließen und verdeutlicht die Relevanz von Künstlern wie Vadim Stroykin, die für ihre Überzeugungen bezahlen mussten, berichtet rnd.de.