In jüngster Zeit wird die Ostsee zunehmend zum Schauplatz hybrider Kriegsführungsaktionen Russlands, wie Fregattenkapitän Göran Swistek, Experte für maritime Sicherheit beim Bundesverteidigungsministerium, meldet. Insbesondere die Havarie des mit russischem Öl beladenen Tankers „Eventin“ hat auf die Aktivitäten der sogenannten Schattenflotte aufmerksam gemacht. Diese Flotte, deren Schiffe oft in schlechtem technischen Zustand sind, steht im Verdacht, gezielt wichtige Kabelverbindungen in der Ostsee beschädigt zu haben. Russland nutzt eine Vielzahl von Taktiken, um Druck auf die NATO auszuüben und seine maritime Militärpräsenz zu verstärken, unter anderem durch das wiederholte Nähern militärischer Flugzeuge an den NATO-Luftraum.

Russlands Schattenflotte hat sich als entscheidendes Instrument im globalen Ölhandel etabliert, welches es dem Land ermöglicht, trotz internationaler Sanktionen am Ölexport zu verdienen, so ZDF berichtet. Die wichtigsten Handelsrouten für die Öltransporte verlaufen über die Ostsee, insbesondere von den Ölhäfen Ust-Luga und Primorsk. Ein wichtiges Merkmal dieser Flotte sind die intransparente Eigentumsstruktur und die häufigen Wechsel von Flaggenstaaten, Schiffsnamen und Eigentümern.

Bedrohungen durch technische Manipulation

Ein alarmierendes Beispiel für die Bedrohung durch Russlands Schattenflotte ist das Manipulieren des automatischen Identifikationssystems (AIS Spoofing), welches es ermöglicht, den Standort dieser Tanker zu verbergen. Diese Taktiken zeigen, wie Russland das internationale Seerecht nutzt, um seine Handelsinteressen zu schützen, während gleichzeitig die Gefahr von Sabotagehandlungen zunimmt. So wurde der Tanker „Eagle S“ von finnischen Sicherheitskräften festgesetzt, da er verdächtigt wurde, ein Unterwasserstromkabel beschädigt zu haben. Experten betonen, dass viele der Schiffe in der Schattenflotte unzureichenden oder keinen Versicherungsschutz haben, was die Gefahren zusätzlich erhöht.

Der Sicherheitsexperte Johannes Peters erklärt, dass diese Schiffe nicht nur zur Umgehung von Sanktionen dienen, sondern auch für gezielte Angriffe auf feindliche Infrastruktur eingesetzt werden. Swistek verdeutlicht, dass diese wiederkehrenden Muster, bei denen Schiffe absichtlich Anker fallen lassen, um Unterseeinfrastruktur zu beschädigen, ein ernstzunehmendes Problem darstellen.

Forderungen nach erhöhter Sicherheit

Vor dem Hintergrund dieser Bedrohungen fordern Politiker eine verstärkte NATO-Präsenz in der Ostsee zur Verbesserung des Lagebildes und zur Abschreckung Russlands. Außenministerin Annalena Baerbock hat in Reaktion auf die jüngsten Vorfälle weitere Sanktionen gegen die Schattenflotte gefordert. Ein kohärentes Lagebild ist entscheidend für den Schutz kritischer Infrastrukturen in Deutschland, wie Peters betont, da der Schutz dieser Einrichtungen oft durch privatwirtschaftliche Interessen gefährdet wird.

Die Diskussion um den Schutz kritischer Infrastrukturen wird durch das KRITIS-Dachgesetz, das eine verbesserte Sicherheit anstrebt, weiter angeheizt. Viele kritische Infrastrukturen befinden sich jedoch in Privatbesitz, was einen effektiven Schutz erschwert. Daher bleibt die Frage offen, wie rechtliche Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden können, ohne gegen internationales Recht zu verstoßen, während gleichzeitig die Sicherheit in der Ostsee auf dem Spiel steht.

Um den Herausforderungen, die durch Russlands Schattenflotte und die damit verbundene hybride Kriegsführung entstehen, erfolgreich zu begegnen, müssen klare Strategien und Schutzmaßnahmen entwickelt werden, um die maritimen Interessen der NATO-Staaten zu sichern.