Der Iran hat seine militärischen Ambitionen erneut unter Beweis gestellt: Der Marinekommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Aliresa Tangsiri, gab bekannt, dass Teheran beabsichtigt, die strategischen Inseln Große Tunb, Kleine Tunb und Abu Musa im Persischen Golf mit neuen Raketensystemen auszurüsten. Diese Inseln befinden sich in der Nähe der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Wasserstraßen weltweit, durch die ungefähr ein Fünftel des globalen Erdöltransports verläuft. Tangsiri erklärte, dass die neuen Systeme in der Lage seien, feindliche Militärstützpunkte, Schiffe und Anlagen in der Region anzugreifen und jedes Ziel im Umkreis von 600 Kilometern komplett zu zerstören. Der Iran kontrolliert die Inseln seit 1971, während die Vereinigten Arabischen Emirate ebenfalls Ansprüche auf sie erheben.
Die Ankündigung des iranischen Militär-Offiziellen erfolgt in einem angespannten geopolitischen Kontext. Insbesondere ist dies eine Reaktion auf einen Vorstoß von US-Präsident Donald Trump, der Anfang März neue Verhandlungen über das iranische Atomprogramm anregte. In einem Schreiben an den obersten Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, drohte Trump mit militärischen Konsequenzen, falls Iran nicht bereit sei, auf Atomwaffen zu verzichten. Diese Bilanz hinterlässt die Frage nach den nächsten Schritten Teherans, während Irans Außenminister Abbas Araghtschi das Schreiben als „eher eine Drohung“ bezeichnete, aber auch Möglichkeiten für Gespräche erkennen ließ.
Langjähriger Streit über das Atomprogramm
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran über das Atomprogramm zieht sich bereits seit Jahren. Während die USA den Iran verdächtigen, waffenfähiges Uran anzureichern, bestreitet Teheran dies vehement. Im Jahr 2015 wurde ein internationales Abkommen unterzeichnet, das Iran dazu verpflichtete, seine nuklearen Aktivitäten im Austausch für die Lockerung von Sanktionen zu beschränken. Doch als Trump im Mai 2018 die USA einseitig aus dem Abkommen auszog und die Sanktionen gegen den Iran wiederherstellte, geriet die Vereinbarung in eine Krise. Trump bezeichnete das Abkommen als den „schlechtesten Deal aller Zeiten“ und warf Iran vor, trotz der Vereinbarung weiterhin an atomaren Waffen zu arbeiten.
Obwohl die europäischen Unterzeichnerstaaten versuchen, das Abkommen aufrechtzuerhalten, hat Iran seine Anreicherungsaktivitäten wieder angekurbelt, nachdem die Bedingungen des Abkommens nicht erfüllt wurden. Insbesondere nach der Aussetzung des Abkommens hat Teheran widerwillig den Druck auf sich erhöht und beantragt, über seine atomaren Ambitionen zu diskutieren, sieht jedoch gleichzeitig das Recht auf ein ziviles Atomprogramm eingelöst.
Internationale Reaktionen und regionale Spannungen
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit Besorgnis. Während die Iraner um ihre Wahrung der Souveränität und ihrer angeblichen Rechte auf ein Atomprogramm kämpfen, sind die geopolitischen Spannungen in der Region weiterhin hoch. Der Iran, der nach dem Sturz des Schah im Jahr 1979 die islamische Revolution erlebte, wird von den USA als regionaler Bedrohungsgarant wahrgenommen, insbesondere wegen seiner Unterstützung für verschiedene militante Gruppen, darunter die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen.
Die Unsicherheiten um das Atomabkommen und die wieder aufkeimende militärische Rhetorik befeuern die potenziellen Konflikte in der Region. Das Schicksal der Verhandlungen um das iranische Atomprogramm bleibt ungewiss, während sowohl der Iran als auch die westlichen Staaten in einem spitzen Konflikt feststecken, der auch die Stabilität im Nahen Osten beeinflusst. Der Streit über den Kurs der iranischen Regierung, der verstärkte Urananreicherung und das aggressive militärische Vorgehen könnten die geopolitischen Spannungen im Persischen Golf weiter anheizen.
Die geopolitische Lage bleibt angespannt, und sowohl Teheran als auch Washington scheinen in ihren Positionen unnachgiebig zu sein, während sie gleichzeitig Schritte erwägen, die möglicherweise zu einer weiteren Eskalation führen könnten. Insbesondere markiert die militärische Aufrüstung des Iran in strategisch wichtigen Gebieten einen neuen gefährlichen Abschnitt in den anhaltenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA.
Für weitere Informationen zu den Entwicklungen im Iran, die geopolitischen Faktoren und die Hintergründe des Atomprogramms besuchen sie bitte die Berichte von Focus, Süddeutsche Zeitung und bpb.de.