Der Karlsruher Zoo bereitet sich auf die große Eröffnung eines vier Monate alten Eisbärs vor, der ab kommendem Mittwoch für Besucher sichtbar sein wird. Die Neugier auf das Tier ist groß, insbesondere weil in dieser Saison nur zwei Eisbären in europäischen Zoos geboren wurden. Der Eisbär fühlt sich in seinem Gehege wohl und wird von seiner Mutter Nuka überwacht, die am 2. November 2024 zur Welt brachte. Dies war ihre erste Geburt, jedoch musste eines der Jungtiere wahrscheinlich in den ersten Tagen sterben, während das verbleibende Jungtier nun gesund und aktiv ist.
Erste Videos des Jungen zeigen, wie es mit seinen ersten Krabbelversuchen kämpft. Nuka kümmert sich intensiv um ihren Nachwuchs und wurde vor Kurzem wieder direkt von den Tierpflegern gefüttert. Der Zoo geht von einem großen Besucherandrang aus, hat aber den Zugang zum Gehege reguliert, um die Tiere zu schützen und Gedränge zu vermeiden. Dennoch könnte es sein, dass einige Besucher das Eisbären-Jungtier möglicherweise nicht zu Gesicht bekommen, da Nuka und ihr Kleines jederzeit in den Innenteil der Anlage zurückkehren können.
Das Leben im Gehege
Der kleine Eisbär hat sich bisher nur bis zum Bauchnabel ins Wasser getraut und liegt häufig schlafend oder spielt mit Ästen. Seine Ernährung besteht aus fettreicher Milch, Salat, Kartoffeln, Tomaten, Lachsöl und Fisch. Die Tierpfleger im Zoo Karlsruhe beobachten, dass er sich gut entwickelt und optimistisch in die Zukunft blickt.
Eisbären sind bekanntlich die zweitgrößten Landbeutegreifer der Welt und leben normalerweise als Einzelgänger in viel größeren Streifgebieten. Leider entspricht die Größe der Gehege in deutschen Zoos, wo 2023 rund 30 Eisbären leben, im Durchschnitt nur etwa einem Millionstel ihres natürlichen Lebensraums. Dies führt dazu, dass viele Eisbären unter Bewegungsmangel und Verhaltensauffälligkeiten leiden.
Herausforderungen für Eisbären in Zoos
Laut Untersuchungen zeigen bis zu 77 Prozent der Eisbären in Zoos Verhaltensstörungen. Auch die hohen Temperaturen in Deutschland gelten als kritisch, da diese für die Tiere lebensbedrohlich sein können. Zoos sind gezwungen, die Gehege im Sommer zu kühlen, was mit hohen Energiekosten verbunden ist. Auch die Sterberate bei Eisbären in menschlicher Obhut ist hoch, und Zuchtstopp-Maßnahmen im europäischen Zuchtprogramm spiegeln die Herausforderungen wider, mit denen Zoos konfrontiert sind.
In einem aktuellen Bericht von bnn.de wird der große Besucherandrang und die Aufregung um das Jungtier deutlich, während gleichzeitig auf die langfristigen Herausforderungen aufmerksam gemacht wird, mit denen Eisbären in Gefangenschaft konfrontiert sind. Der Eisbär in Karlsruhe wird also nicht nur als Attraktion angesehen, sondern wirft auch wichtige Fragen über die artgerechte Haltung in Zoos auf.
Die Situation in Karlsruhe ist ein Beispiel dafür, wie Zoos zwischen dem Bedürfnis, Tiere zu zeigen und der Verantwortung für deren Wohlbefinden agieren müssen. Die Gäste sind eingeladen, das kleine Eisbärchen zu begrüßen, während gleichsam die grundlegenden Problematiken der Eisbärenhaltung in Menschenobhut reflektiert werden sollten. Weitere Informationen über Eisbären in Zoos können auf karlsruhe.de und peta.de nachgelesen werden.