In einer zunehmend digitalisierten Welt bieten innovative Technologien die Möglichkeit, über den Tod hinaus mit verstorbenen Angehörigen zu kommunizieren. James Vlahos hat diesen Trend maßgeblich mit seiner Entwicklung der App „HereafterAI“ vorangetrieben. Laut einem Bericht von Focus entstand das Konzept, als Vlahos die Lebensgeschichte seines verstorbenen Vaters aufnahm und diese Daten für den Chatbot nutzte. Diese Technologie, die in den USA, Asien und Großbritannien beliebt ist, erlaubt es Nutzern, Fragen zu stellen und Antworten von digitalen Zwillingen verstorbener Menschen zu erhalten.

Das Startup „Eternos“ bietet ähnliche Dienstleistungen an, indem es digitale Zwillingskopien von Verstorbenen erschafft. Michael Bommer, der unheilbar an Darmkrebs erkrankt war, nutzte die Plattform, um seiner Frau eine digitale Kopie seiner selbst zu hinterlassen. Er zeichnete zahlreiche Sprachnachrichten auf, welche in die KI eingespeist wurden. Ein Aspekt dieser neuen Technologien ist die Wertschätzung der Erinnerungen und die Möglichkeit, die Verbindung zu Verstorbenen aufrechtzuerhalten.

Ethik und Trauerverarbeitung

Allerdings wirft das digitale Weiterleben auch essentielle ethische Fragen auf. Matthias Meitzler, ein Soziologe, äußert Bedenken, dass „Deadbots“ den Trauerprozess komplizieren und behindern könnten. Die Technologie könnte die endgültige Abwesenheit des Verstorbenen in den Hintergrund drängen, was die Akzeptanz des Verlustes erschwert. In bestimmten Fällen kann jedoch die Interaktion mit einem Chatbot gleichwohl hilfreich sein, besonders nach plötzlichen Todesfällen, wenn Hinterbliebene keine Gelegenheit zum Abschied hatten.

Die Diskussion wird durch einen Bericht über die Branche der digitalen Trauerbewältigung, auch bekannt als „Digital Afterlife Industry“, ergänzt. Künstliche Intelligenz wird für die Entwicklung von Chatbots und Avataren verwendet, die das Sozialverhalten der Verstorbenen nachahmen können. Diese Praktiken basieren auf umfangreichen Daten; Informationen stammen aus autorisierten Aufnahmen und sozialen Medien. Die Verfügbarkeit großer Datenmengen ermöglicht es, dass digitale Avatare dauerhaft bestehen bleiben und einen Eindruck des unbegrenzten Weiterlebens erzeugen.

Problematik und Datenschutz

In Deutschland bestehen aufgrund strenger Datenschutzbestimmungen und kultureller Skepsis gegenüber „Deadbots“ Vorbehalte. Wie die Ethik-Plattform von BIDT betont, gehen die Bedenken über die Trauerverarbeitung hinaus und beziehen sich auch auf Fragen des Missbrauchs und des Datenschutzes. Der Ethiker Jean-Daniel Strub leitet eine Studie über den Tod im digitalen Zeitalter und hebt hervor, dass viele Menschen digitale Spuren hinterlassen, die nach ihrem Tod weiter existieren. Digitale Erinnerungen können eine Quelle des Trostes sein, bergen aber auch die Gefahr, den letzten Willen der Verstorbenen zu missachten.

Die Studie von TA-Swiss hebt die Bedeutung einer klaren Kennzeichnung von künstlichen Gegenübern und den Schutz der Interessen Verstorbener hervor. Ein weiterer zentraler Punkt ist das Recht auf Löschung von Profilen und digitalen Avataren, was für eine respektvolle Nachlassregelung unerlässlich ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Technologien des digitalen Weiterlebens sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Angebote entwickeln und welche Richtlinien zur ethischen Nutzung formuliert werden. Für die Hinterbliebenen ist es wichtig, individuell zu entscheiden, ob und wie sie digitale Hilfsmittel zur Trauerbewältigung nutzen möchten.