Friedrich Merz, der Vorsitzende der CDU, steht heute hinter einem Bild von Konrad Adenauer, dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, anlässlich dessen 149. Geburtstags. Adenauer, der 1967 im Alter von 91 Jahren verstarb, gilt als eine zentrale Figur in der Geschichte der CDU und Deutschland. Merz hebt in seiner Festrede während einer von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierten Feierstunde die Herausforderungen hervor, die Adenauer während seines Lebens zu bewältigen hatte: vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Nazi-Diktatur bis hin zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Er betrachtet das politische Erbe Adenauers als richtungsweisend für die heutige Zeit.
Eine wichtige Ankündigung von Merz betrifft seine Pläne, nach der Bundestagswahl am 23. Februar als Kanzler zu kandidieren. Dies wurde auch von Norbert Lammert, dem Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung, in seinem Rückblick auf Merz‘ Führungsposition innerhalb der CDU unterstützt. In seiner Ansprache zieht Merz Parallelen zwischen der Zeit Adenauers und der gegenwärtigen politischen Situation, insbesondere in Bezug auf die Beziehungen zu Frankreich und die Herausforderungen der deutschen Wirtschaft. Er fordert einen grundlegenden Politikwechsel, um mehr Wohlstand, Freiheit und Sicherheit für die Bürger zu gewährleisten.
Politische Herausforderungen und Wahlkampf
Merz spricht außerdem über die aktuellen Themen im Wahlkampf, darunter die Spannungen innerhalb der Ampel-Koalition. Er äußert sein Unbehagen über wahrgenommene Ungerechtigkeiten im Land und betont die Notwendigkeit, die Idee einer gerechten Leistungsgesellschaft zu fördern. Merz bezeichnet die anstehende Wahl als eine „Richtungsentscheidung“, ähnlich der Wahl von 1949, und appelliert an die Notwendigkeit, neue Wege zu beschreiten, um den Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen.
Adenauers Erbe in der modernen CDU
Die Christlich Demokratische Union (CDU), die 1950 als bürgerliche Sammlungspartei gegründet wurde, hat sich seit ihrer Gründung stark verändert und weiterentwickelt. Adenauers Politik der Westbindung und die erfolgreiche Einführung der Sozialen Marktwirtschaft sicherten der CDU bis Ende der 1960er Jahre stabile Wählermehrheiten. In 52 von 73 Jahren führte die Union die Bundesregierung und stellte den Kanzler. Wichtige außenpolitische Entscheidungen wurden gegen den Widerstand der Sozialdemokraten durchgesetzt. Die Zeit von der friedlichen Revolution in der DDR bis zur deutschen Einheit fiel dabei in die Regierungszeit der CDU, die durch ihre Anbindung an die Milieustrukturen der katholischen Zentrumspartei geprägt war.
Die Ära von Adenauer hat der CDU nicht nur Stabilität gebracht, sondern auch klare Prinzipien, die die Basis für viele ihrer späteren Entscheidungen bildeten. Der Fokus auf das christliche Fundament ermöglichte eine Abgrenzung von Nationalsozialismus und Sozialismus und stärkte die Position der CDU in der politischen Landschaft Deutschlands.
Nachdem die Partei 1969 die ununterbrochene Macht verlor und der FDP zum ersten Mal eine Koalition mit der SPD bildete, durchlief die CDU in den 1970er Jahren unter Helmut Kohl eine programmatische Neuausrichtung. Diese führte dazu, dass die Union mehr Schlagkraft gewann und auf unterschiedliche gesellschaftliche Herausforderungen reagierte. Kohls Kanzlerschaft war schließlich geprägt von stabiler Außenpolitik und der Wiedervereinigung Deutschlands. Die spätere Führung durch Angela Merkel brachte eine weitere Modernisierung der CDU mit sich, nichtsdestotrotz stellte die Flüchtlingspolitik ab 2015 eine erhebliche Herausforderung für die Union dar.
Merz‘ Wiederaufleben der Werte Adenauers in seinem politischen Ansatz könnte daher als Versuch gewertet werden, die Kernidentität der CDU wiederzubeleben und die Wählerschaft für die anstehenden Herausforderungen zu mobilisieren.
Weiterführende Informationen finden Sie in den Artikeln von RP Online, Spiegel sowie bpb.