Der unter panamischer Flagge fahrende Tanker „Eventin“ steht im Mittelpunkt einer aktuellen Zollbeschlagnahmung in der Ostsee vor der Küste Rügens. Das Schiff ankert seit Mitte Januar in der Region und wurde am vergangenen Freitag vom Zoll beschlagnahmt. Durch einen Einziehungsbescheid der Generalzolldirektion geht der Tanker samt etwa 100.000 Tonnen Rohöl, das einen Wert von rund 40 Millionen Euro hat, in deutsches Eigentum über. Der Tanker war ursprünglich vom russischen Hafen Ust-Luga mit dem Ziel Ägypten gestartet.

Die Krise begann am 10. Januar, als alle Systeme an Bord ausfielen und die „Eventin“ manövrierunfähig wurde, wodurch sie in der Ostsee trieb. Aufgrund der Gefahr eines Ölaustritts wurde das Schiff in Gewässer vor Sassnitz geschleppt. Einige Tage später konnte die Hauptmaschine wieder in Betrieb genommen werden. Der Kapitän beantragte daraufhin die Erlaubnis zum Auslaufen, die jedoch aufgrund zollrechtlicher Prüfungen verweigert wurde. Momentan wird die „Eventin“ rund um die Uhr von der Küstenwache und der Bundespolizei überwacht.

Umwelt- und Tourismusbedenken

Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern hat ein großes Interesse daran, das Schiff schnellstmöglich zu entfernen. Die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Tourismus müssen vermieden werden. Aktuell laufen Gespräche über das Abpumpen des Rohöls und das weitere Schicksal des Tankers. Die „Eventin“ wird von Experten zur sogenannten Schattenflotte gezählt, die Ende Februar von der EU als Teil dieser Flotte gelistet wurde.

Diese Schattenflotte, die infolge des ölfördernden Embargos gegen Russland gegen die Sanktionen operiert, besteht aus Schiffen, die unter wechselnden Flaggen fahren, um ihre tatsächlichen Eigentümer zu verbergen. Greenpeace hat kürzlich 192 Schiffe identifiziert, die zur Schattenflotte gehören, wobei 171 von ihnen in den letzten zwei Jahren durch die deutsche Ostsee gefahren sind. Das Vorgehen der deutschen Behörden wird als deutliches Signal an Russland gedeutet, dass der Transit russischen Öls durch die Ostsee nicht akzeptiert wird.

Wachsende Bedrohung durch Schattenschiffe

Bis zu tausend russische „Schattenschiffe“ durchquerten im Jahr 2024 die Ostsee und umgingen damit die internationalen Embargos. Russische Ölschiffe werden zunehmend auch für Sabotageakte in Europa verwendet. So wird beispielsweise ein russischer Tanker, die „Eagle S“, verdächtigt, als sein Anker Kabel wie „Estlink 2“, die zwischen Finnland und Estland verlaufen, beschädigt zu haben. Ein Kabelschaden kann langfristige Folgen für die Infrastruktur in Europa haben, mit einer geschätzten Reparaturzeit von bis zu acht Monaten.

Die Sicherheitsfamilie in der Region ist alarmiert. Währenddessen warnt Estnische Experten, dass die Schattenflotte, die oft nur als kleine Punkte am Horizont sichtbar ist, an Bedeutung gewinnt. Marek Kohv, ein Sicherheitsexperte, betont die Umweltgefahren, die von den alternden und oft schlecht gewarteten Schiffen ausgehen. Die NATO plant, ihre militärische Präsenz in der Ostsee zu verstärken, was die Besorgnis über die Gefahren beschleunigt hat. Finnlands Regierungschef Petteri Orpo fordert eine engere Zusammenarbeit der Ostseestaaten, um besser auf die Bedrohungen durch die Schattenflotte reagieren zu können.

Insgesamt bleibt die Situation um die „Eventin“ und die Schattenflotte angespannt, und es bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen die Behörden in den kommenden Wochen ergreifen werden.