In Mecklenburg-Vorpommern sorgt das Wahlergebnis der AfD bei der Bundestagswahl für Diskussionen, vor allem in der Tourismusbranche. Die AfD erzielte dort rund 35 Prozent der Stimmen und wurde zur stärksten Kraft. Berichte über mögliche Stornierungen von Urlaubsreisen an der Ostseeküste aufgrund dieses Ergebnisses haben in den letzten Tagen für Aufsehen gesorgt. Dehoga-Landeschef Lars Schwarz äußerte sich jedoch skeptisch zu diesen Meldungen. Er betonte gegenüber Focus.de, dass er nicht bestätigen könne, dass tatsächlich Buchungen storniert wurden.

„Ich staune, was mir in den Mund gelegt wurde“, sagte Schwarz, der überrascht von der Berichterstattung war. Er hebt hervor, dass zu den Einflussfaktoren auf Hotelbuchungen vor allem Wetterbedingungen und Krankheitswellen zählen. Laut dem Dehoga-Chef gebe es keine signifikanten Stornierungen im Zusammenhang mit den Wahlergebnissen, die das Reiseverhalten spürbar beeinflussten. Tobias Woitendorf, der Chef des Tourismusverbands, schloss sich dieser Einschätzung an und sprach von einem marginalen Zusammenhang zwischen Wahlverhalten und Reiseverhalten. Zudem verzeichnen Hotels in Mecklenburg-Vorpommern keine signifikanten Rückgänge bei Buchungen.

Tourismusprognosen und Herausforderungen

Die Branche blickt mit optimistischen Vorbuchungsindikatoren auf einen „sehr guten Tourismussommer“. Einzige Ausnahme seien vereinzelte Nachfragen von Gästen zum AfD-Ergebnis, deren Herkunft jedoch unklar bleibt. Schwarz hebt hervor, dass die internationale Ausrichtung der Branche und die Integration von Ausbildungsplätzen, auch für Auszubildende aus dem Ausland, stark gewichtet werden. Trotz der unbestreitbaren bedrohlichen Herausforderungen, wie Fachkräftemangel und steigende Kosten, scheint der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin Stabilität zu zeigen.

Im Jahr 2024 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 8,04 Millionen Gästeankünfte sowie 32,9 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Dies entspricht einem Anstieg von 4,8 Prozent bei den Ankünften im Vergleich zum Vorjahr. Die positive Entwicklung zeigt sich besonders im Dezember 2024, wo etwa 389.000 Gästeankünfte und 1,35 Millionen Übernachtungen registriert wurden, was im Vergleich zum Jahr 2023 jeweils Zuwächse von 6,4 und 6,0 Prozent bedeutet. Diese Zahlen belegen, dass der Tourismus der Region sich langsam erholt, jedoch ist das Niveau im Vergleich zu den Rekordwerten von 2019 noch nicht erreicht.

Ausblick auf die Politik

In diesem Zusammenhang sieht Lars Schwarz die Bundestagswahl als Weckruf für die Politik. Er warnt, dass ohne effektive politische Maßnahmen in der Zukunft, insbesondere nach der MV-Wahl 2026, größere Probleme in der Branche entstehen könnten. Umkehrempfehlung von Schwarz: Reisende sollten die Ostsee besuchen und sich selbst ein Bild von der Region machen, darüber hinaus steuerte er auch auf familienfreundliche Angebote im Binnenland.

Obwohl die AfD in allen ostdeutschen Bundesländern stark abschnitt, zeigen die aktuellen Statistiken, dass die Verbindung zwischen politischen Ergebnissen und dem touristischen Verhalten nicht so ausgeprägt ist, wie viele vermuten. In Mecklenburg-Vorpommern bleibt der Tourismus trotz der politischen Herausforderungen auf einem positiven Weg.