Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern hat kürzlich das Projekt „MV Seagrass for climate“ ins Leben gerufen, das darauf abzielt, die Seegrasbestände an den Ostseeküsten zu erfassen, zu kartieren und zu dokumentieren. Mit einem Gesamtbudget von 12 Millionen Euro, das über einen Zeitraum von acht Jahren bereitgestellt wird, sollen die Seegraswiesen zur Verbesserung der heimischen Ökosysteme und zur Stärkung der Klimaschutzleistungen wiederansiedeln werden. Laut nordkurier.de bindet Seegras 30 bis 50 Mal mehr Kohlenstoff als vergleichbare Wälder und bietet einen wichtigen Lebensraum für Fischarten und andere Meeresorganismen. Es wird befürchtet, dass die Wiederansiedlung dieser Wiesen negative Auswirkungen auf den Tourismus haben könnte, da in der Vergangenheit Seegraswiesen aus touristischen Gründen zerstört wurden.

Im Jahr 2023 besuchten 6,3 Millionen Gäste Mecklenburg-Vorpommern, viele von ihnen aufgrund der schönen Strände. Eine Umfrage von Statista aus dem Jahr 2017 ergab, dass 74 % der Befragten saubere Sandstrände und klares Wasser schätzen. Der Tourismusverband Fischland-Darß-Zingst sieht jedoch keine negativen Auswirkungen auf den Tourismus durch das Projekt, während der Tourismusverband Usedom Bedenken hinsichtlich einer Ansiedlung von Seegras in der Nähe von Badeorten äußert und eine Einbeziehung in den Umsetzungsprozess wünscht.

Herausforderungen für Seegraswiesen

Seegraswiesen gelten als die Korallenriffe der Ostsee, da sie die Biodiversität erhöhen und große Mengen CO2 speichern. Dennoch sind sie stark gefährdet, vor allem durch die Folgen des Klimawandels, der erhöhte Wassertemperaturen und Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft mit sich bringt. In der deutschen Ostsee sind weniger als 300 Quadratkilometer Seegraswiesen erhalten geblieben, was einen Verlust von etwa 60 % seit dem 19. Jahrhundert bedeutet. Zu den Hauptursachen gehören intensive Landwirtschaft und die Einbringung von Stickstoffverbindungen aus Düngemitteln. 【weather.com】 berichtet, dass die Ostsee bereits dreimal schneller erwärmt als der Weltozean, und dass der kritische Schwellenwert für Seegras bei 25 bis 26 Grad liegt.

Wissenschaftler setzen sich intensiv für den Erhalt des Seegrases ein. Im Rahmen von Forschungsprojekten, wie dem an der Kieler Bucht, suchen sie nach genetischen Varianten des Seegrases, die an höhere Wassertemperaturen angepasst sind. Dies beinhaltet unter anderem die Aussaat selbst geernteter Seegrassamen und das Pflanzen von etwa 3000 Quadratmetern Seegras in den letzten zwei Jahren. Es wird angestrebt, dass dies zur dauerhaften Erhöhung der Seegrasbestände in deutschen Gewässern führt und somit zur Verbesserung der CO2-Bilanz beiträgt.

Rolle der Wissenschaft und Nachhaltigkeit

Die Stiftung Klima- und Umweltschutz MV beschäftigt sich seit 2021 mit dem Thema Seegras und hat eine Publikation veröffentlicht, die Erkenntnisse zur Aufforstung und den Einsatz von Rollrasentechnik beschreibt. Gewöhnliches Seegras (Zostera marina) kann bis zu 15 Meter unter Wasser leben und hat gürtelförmige Blätter, die nicht verholzen. Die Wurzeln speichern den Großteil des Kohlenstoffs im Meeresboden. Professor Dr.-Ing. Mathias Paschen, Meeresbiologin M.Sc. Daniela Glück, Ingenieur Dipl.-Ing. Reinhard Helbig und Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Kreft sind die Autoren dieser Publikation und zeigen sich optimistisch gegenüber den Maßnahmen zur Wiederansiedlung von Seegras.

Das Projekt „MV Seagrass for climate“ bildet also nicht nur eine essentielle Grundlage für den Klimaschutz, sondern stellt auch die Weichen für den Erhalt der marinen Biodiversität in der Ostsee. Es bleibt abzuwarten, wie sich die verschiedenen Interessenlagen, insbesondere im Hinblick auf den Tourismus, entwickeln werden.