Mecklenburg-VorpommernWirtschaft

MV-Sparer wechseln zu höheren Zinsen und Wertpapieren

Investitionsverhalten in Mecklenburg-Vorpommern: Warum Anleger sich umschichten

In Mecklenburg-Vorpommern zeigen Sparer verstärktes Interesse an Anlageformen mit höheren Zinsen und steigenden Börsenkursen. Commerzbank-Manager Matthias Sucrow beobachtet eine schrittweise Umschichtung der Kunden, obwohl die Nachfragen noch nicht überwältigend sind. Die Sparkassen im Land berichten ebenfalls von einer Reduzierung klassischer Einlagen zugunsten von Termingeldern und Sparkassen-Eigenemissionen. Die Volksbanken Raiffeisenbanken in MV verzeichnen einen Anstieg der in Sparbriefen angelegten Beträge um fast 400 Prozent. Dank der gestiegenen Leitzinsen können den Kunden wieder attraktive Konditionen bei herkömmlichen Anlageformen angeboten werden, so VR-Banken-Sprecher Ronny Bauch.

Trotz des Interesses an renditestärkeren Anlagen setzen die Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern weiterhin auf Sicherheit. Tagesgeld- und Festgeldkonten sowie Sparbücher bleiben beliebte Anlageformen, wobei viele Menschen einen Notgroschen zurücklegen möchten. Laut einer MV-Anlegerstudie der Commerzbank nutzen 41 Prozent entsprechende Angebote. Matthias Sucrow weist darauf hin, dass die Sicherheit auf Kosten der Rendite gehe und Kunden mit offensiveren Anlagen in der Vergangenheit mehr hätten profitieren können. Aktien spielen in Mecklenburg-Vorpommern zwar eine untergeordnete Rolle, aber nachhaltige Anlagen werden zunehmend nachgefragt. Vermögendere Kunden investieren vermehrt in Sachwertanlagen wie Beteiligungen an Windparks und Solaranlagen.

Ein hoher Beratungsbedarf besteht jedoch, da vielen Kunden in Mecklenburg-Vorpommern Anlageformen mit Wertpapieren zu komplex erscheinen. Laut dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos fehlt es auch vielen Menschen an finanziellen Mitteln, um überhaupt privat vorzusorgen. 34 Prozent der Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern haben kein Geld übrig, um etwas zu sparen. Darüber hinaus hat das Land den niedrigsten Pro-Kopf-Sparbetrag in Deutschland. Laut dem Statistischen Amt MV legte jeder Einwohner im Jahr 2021 durchschnittlich 2430 Euro zurück, was 64 Prozent des Bundesdurchschnitts entspricht. Im Jahr 2021 haben alle privaten Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 3,9 Milliarden Euro gespart, was einem Rückgang von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Lebt in Bremerhaven und ist seit vielen Jahren freier Redakteur für Tageszeitungen und Magazine im DACH-Raum.
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"