In Mannheim hat ein tragischer Vorfall die Diskussion über psychische Erkrankungen und deren potenzielle Gefährlichkeit aufgeheizt. Ein psychisch gestörter Mann hat zwei Menschen getötet und mehrere verletzt. Der 40-jährige Täter aus Ludwigshafen litt an einer langjährigen psychischen Erkrankung und war regelmäßig in Behandlung, was die Frage aufwirft, wie solche Gewaltakte besser verhindert werden können. Baden-Württemberg prüft daher die Übernahme eines Konzepts aus Nordrhein-Westfalen, das darauf abzielt, Menschen mit erhöhtem Risikopotenzial frühzeitig zu identifizieren. Dies berichtet ZVW.
Das Konzept „Personen mit Risikopotenzial“ (Periskop), das von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ins Leben gerufen wurde, ist eine Antwort auf mehrere Amokfahrten in der Vergangenheit. Wie NRW Polizei erläutert, ist Ziel des Projekts, Personen zu identifizieren, die potenziell gefährlich sein könnten. Das Konzept beruht auf den Erkenntnissen, dass Täter oft zuvor Warnsignale gesendet haben, die jedoch nicht als solche wahrgenommen wurden. Diese präventiven Maßnahmen sind seit Mai 2022 ein landesweiter Standard in Nordrhein-Westfalen.
Risikobewertung und Prävention
Ein zentraler Aspekt des Konzeptes ist die Anwendung eines Kriterienkatalogs zur Risikobewertung. Dieser Katalog wird von der Polizei eingesetzt, um gewaltbereite oder waffenaffine Personen auszumachen. Laut den Daten seit Projektbeginn wurden bereits 7.431 Prüffälle bearbeitet, in denen 5.035 Personen erfasst wurden, darunter 1.003 Mehrfachprüffälle. Aktuell sind zum 30. November 2024 insgesamt 362 Personen als Risikopersonen eingestuft.
In den Gesprächen zwischen verschiedenen Institutionen wie Schulen, Gesundheitsämtern und psychiatrischen Einrichtungen wird das weitere Vorgehen erörtert. Dies ist entscheidend, da menschliches Verhalten komplex ist und trotz aller Bemühungen nicht alle Straftaten verhindert werden können. Die Polizei bringt im Rahmen dieser Zusammenarbeit auch Überprüfungen in polizeilichen Systemen, wie Waffenregistern, in die Risikoeinschätzung mit ein.
Die Herausforderung besteht darin, dass es oft keine klare Verbindung zwischen psychischen Erkrankungen und gefährlichem Verhalten gibt. Mehr als jeder vierte Erwachsene in Deutschland leidet an psychischen Problemen, was 18 Millionen Menschen mit voll ausgeprägten psychischen Erkrankungen entspricht, wie von Planet Wissen angegeben wird. 15 Prozent dieser Personen haben Angststörungen, während über 10 Prozent unter affektiven Störungen wie Depressionen oder Manien leiden.
Zukunftsausblick
SPD-Rechtsexperte Boris Weirauch fordert, dass auch Personen erfasst werden, die in herkömmlichen Raster nicht auftreten, um die Gefahrenlage umfassender zu bewerten. Kriminologe Jörg Kinzig betont dabei, dass die Unsicherheit darüber, welche Taten durch die Frühwarnsysteme tatsächlich verhindert werden können, bleibt. Innenminister Reul beanstandet, dass eine kontinuierliche Überwachung nicht realisierbar ist und die Kooperation zwischen verschiedenen Institutionen eine Schlüsselrolle im Präventionsprozess spielt.
Insgesamt ist die Thematik von psychischen Erkrankungen und ihrer Gefährlichkeit ein extrem vielseitiges Thema, das sowohl präventive Maßnahmen als auch gesellschaftliche Sensibilisierung verlangt. Angesichts der Komplexität menschlichen Verhaltens müssen zukünftige Strategien multifaktoriell gestaltet werden, um sowohl potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen als auch Hilfsangebote für betroffene Personen weiter auszubauen.