Europa steht an der Schwelle einer technischen Revolution im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), die eng mit dem steigenden Energiebedarf verknüpft ist. Um im globalen Wettbewerb mithalten zu können, fördert die EU den Bau von Supercomputern. Ein Beispiel ist der Supercomputer Meluxina in Luxemburg, der ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben wird, vor allem durch Wasserkraft aus Norwegen. Im Notfall kommen massive Batterien und Diesel-Generatoren zum Einsatz, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Diese Entwicklung ist besonders bedeutsam, da der Stromverbrauch von Rechenzentren enorm ist und mit jeder neuen Maschine weiter wächst.
Besonders alarmierend ist die Situation in Irland, wo der Stromverbrauch von Rechenzentren erstmals den gesamten Bedarf der Privathaushalte übersteigt. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2026 sich verdoppeln könnte. Aimee van Wynsberghe, Professorin für Angewandte Ethik der KI, weist dabei auf die möglichen negativen Folgen für die Artenvielfalt und die hohen Wasserverbrauchskosten zur Kühlung der Anlagen hin.
Herausforderungen des Energiebedarfs
Mit einem beeindruckenden Leistungsvermögen, das der von zehntausenden PCs entspricht, zeigt Meluxina bereits als effizientestes Rechenzentrum der EU, wie nachhaltige Praktiken in der Technologiebranche umgesetzt werden können. Die Kühlung erfolgt durch ein Biomassekraftwerk, das Altholz nutzt, ohne neue Bäume zu roden. Zudem wird die Abwärme des Rechenzentrums zur Heizungsversorgung des Gebäudes verwendet. Diese innovativen Ansätze werden nun auch als Vorbild für den Ausbau weiterer Rechenzentren in Europa angesehen.
Im Jahr 2023 betrug der Stromverbrauch von Rechenzentren in Deutschland etwa 20 Terawattstunden (TWh) pro Jahr, mit Prognosen, die einen Anstieg auf 35 TWh bis 2030 und bis zu 88 TWh bis 2045 vorsehen. Dieser Anstieg ist maßgeblich auf die zunehmende Nutzung von Cloud-Diensten, das Wachstum von KI-Anwendungen und die Digitalisierung von Industrie und Verwaltung zurückzuführen. Daher sind rechtzeitige Planungen für die Strominfrastruktur notwendig, um die Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig Energieeffizienz und Nachhaltigkeit voranzutreiben.
Innovationen zur Effizienzsteigerung
Betreiber müssen daher ihren Energieverbrauch durch optimierte Kühltechniken, verbesserte Hardware-Effizienz und intelligente Gebäudestrukturen senken. Der Einsatz erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Wärmerückgewinnung sind hierbei von zentraler Bedeutung. Innovative Kühlungstechnologien wie flüssigkeitsbasierte Systeme und geothermische Anlagen zeigen bereits heute Wege auf, wie Rechenzentren ihre Effizienz steigern können.
Die Herausforderungen werden noch komplexer, wenn man den prognostizierten Anstieg des Energieverbrauchs für KI-Anwendungen betrachtet. Dieser könnte bis 2030 auf über 150 Terawattstunden ansteigen, was fast einer Verdreifachung entspricht und rund fünf Prozent des gesamten europäischen Stromverbrauchs ausmacht. Der steigende Strombedarf könnte den Klimawandel beschleunigen, wenn er nicht durch erneuerbare Energien gedeckt wird. Ein Großteil des Stroms für Rechenzentren stammt derzeit immer noch aus fossilen Brennstoffen, was große Unternehmen wie Google, Amazon und Microsoft dazu zwingt, alternative Energiequellen wie Kernenergie zu erschließen.
Die Notwendigkeit, digitale Souveränität in Europa zu fördern, erfordert massive Investitionen in nationale und europäische Technologien. Rechenzentren stehen dabei an der Schnittstelle zwischen technologischer Innovation und Nachhaltigkeit. Innovative Ansätze zur Energieeinsparung könnten durch KI-gestützte Systeme erreicht werden, die den Energieverbrauch in Echtzeit analysieren und optimieren, wodurch Einsparungen von bis zu 30 % möglich sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Künstliche Intelligenz und ihre Infrastruktur sowohl große Chancen als auch immense Herausforderungen mit sich bringen. Der Weg zur Nachhaltigkeit in diesem Sektor wird entscheidend für die künftige Energieversorgung Europas sein.