Am 27. Januar 2025 wird der internationalen Anteilnahme und dem Gedenken an die Opfer des Holocaust gedacht. Dieser Tag erinnert nicht nur an die Befreiung von Auschwitz durch sowjetische Soldaten im Jahr 1945, sondern auch an die unzähligen Lebensgeschichten, die hinter den nackten Zahlen stehen. Wie die 103-jährige Margot Friedländer, die als eine der letzten Holocaust-Überlebenden von ihrem Leiden und dem Verlust ihrer Familie in Auschwitz berichtet, ist es entscheidend, die Vergangenheit lebendig zu halten, um solchen Gräueltaten entgegenzuwirken. Dies hat auch der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Ansprache zum 80. Jahrestag von Auschwitz hervorgehoben. Mit mehr als 1,3 Millionen Menschen, die ins Lager verschleppt wurden, darunter etwa eine Million ermordete Juden, wird das Ausmaß der Verbrechen umso klarer.
Der Besuch eines ehemaligen Konzentrationslagers sollte für alle Schüler Deutschlands zur Pflicht werden, fordert ein Autor, der sich an seine prägende Schulfahrt zum Konzentrationslager Stutthof erinnert. Diese Erfahrungen, so berichtet er, lassen sich nicht durch Bilder in Schulbüchern adäquat vermitteln. Bei seinem Besuch erlebten Schüler im Alter von 15 bis 16 Jahren die Kälte, die trostlosen Baracken und die einschüchternde Präsenz von Stacheldraht, Gaskammern und Krematorien. Der Autor spricht sich dafür aus, dass solch eindrückliche Besuche Teil des Lehrplans werden sollen, um das Bewusstsein für die Taten der Nazis zu schärfen und zukünftige Generationen zu sensibilisieren.
Wichtigkeit des Erinnerns
Margot Friedländer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, über ihre Erfahrungen im KZ Theresienstadt und die grausamen Schicksale ihrer Familie zu berichten. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden in Auschwitz ermordet. Sie betont, dass es essentiell ist, die Geschichte des Holocaust zu erzählen, damit sich ähnliche Gräueltaten in der Zukunft nicht wiederholen. Ihre Stimme ist Teil einer ergreifenden Erzählung, die auch in Zeiten zunehmender gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und politischer Instabilität bedeutend bleibt.
Die Herausforderungen, die mit der Erinnerungskultur in Deutschland einhergehen, sind nach wie vor groß. Wie in verschiedenen Gedächtnisinitiativen und -projekten zu beobachten, wird der historische Kontext oft nicht ausreichend vermittelt. Historiker und Erinnerungsforscher betonen, dass eine Auseinandersetzung mit der belasteten Geschichte essenziell ist, um die Lehren der Vergangenheit für die Gegenwart zu verstehen. Emotionale Betroffenheit allein reicht nicht aus; vielmehr müssen historische Orte zu Stätten des Lernens und der Reflexion werden.
Erinnerung als Teil der deutschen Identität
Das Gedenken an das NS-Regime und die Erinnerung an die Verfolgung von Minderheiten wird von verschiedenen Organisationen und Individuen aktiv gefördert. Jutta Kayser organisiert seit 1999 die Lichterkette Pankow am Jahrestag der Auschwitz-Befreiung, um gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu protestieren. In einer Zeit, in der die Erinnerung an den Holocaust vor politischen Strömungen steht, ist die Stimme von Margot Friedländer und vielen anderen Überlebenden von unschätzbarem Wert. Sie mahnen zur Wachsamkeit gegenüber den Anfängen von Diskriminierung und die Wichtigkeit von Respekt gegenüber allen Menschen.
In diesem Sinne bleibt die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte eine Aufgabe für alle Generationen. Die relevanten Erinnerungsorte und Denkmale sollen nicht nur der Trauer dienen, sondern auch als Lehrstück für einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Geschichte stehen. Die generationenübergreifende Aufklärung über Menschenrechte und die Bedeutung von Empathie sind unerlässlich für eine fortschrittliche und demokratische Gesellschaft.