Die aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Hoher Kostendruck und instabile Lieferketten belasten die deutschen Leitindustrien, die im Wettbewerb um Märkte bestehen müssen. In dieser schwierigen Lage wird die Notwendigkeit von Lösungen zur langfristigen internationalen Wettbewerbsfähigkeit immer dringlicher. Laut Focus sind bessere Produkte und höhere Effizienz in einem Hochlohnland wie Deutschland entscheidend.

Um die Produktivität zu steigern, müssen Unternehmen kürzere Entwicklungszeiten anstreben und manuelle Tätigkeiten automatisieren. Peter Liggesmeyer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering, hebt die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) und Industrie 4.0 hervor. Insbesondere große Sprachmodelle können in der Softwareentwicklung eingesetzt werden, um Texte zu generieren und Standardfunktionen automatisch zu erstellen, was sowohl Zeit als auch Kosten spart.

Künstliche Intelligenz in der Industrie

Der Einsatz von KI ist nicht nur auf die Softwareentwicklung beschränkt. Industrie 4.0 integriert verstärkt das Internet der Dinge (IoT) und digitale Zwillinge. In diesem Zusammenhang wird beim diesjährigen CES in Las Vegas Siemens als führender Anbieter von Industriesoftware präsentiert. Der neu eingeführte „Siemens Industrial Copilot for Operations“ ermöglicht Echtzeitzugriff auf große Sprachmodelle, um Entscheidungsprozesse in Fertigungsstätten zu optimieren. Peter Körte, CTO von Siemens, betont die Bedeutung dieser Technologien für alle Branchen, insbesondere im Hinblick auf Effizienzsteigerungen.

Digitale Zwillinge, die als virtuelle Abbilder von realen oder logischen Instanzen fungieren, haben in vielen Industriebereichen an Bedeutung gewonnen. Sie erlauben Simulationen und Optimierungen von Produkten sowie Prozessen. Jedoch ist für ihre Erstellung oft ein hoher manueller Aufwand notwendig, insbesondere aufgrund unstrukturierter Daten. Große Sprachmodelle können hier unterstützend wirken, indem sie Daten strukturieren und relevante Informationen extrahieren.

Der Blick in die Zukunft

Die Integration von KI, IoT und digitalen Zwillingen könnte nicht nur die Effizienz in der Produktion steigern, sondern auch neue Geschäftsmodelle und personalisierte Angebote ermöglichen. Laut Industriemagazin können bis zum Jahr 2030 bis zu 70 % der Fertigungsprozesse durch KI automatisiert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung intelligenter Lieferketten, die durch Echtzeit-Analysen optimiert werden können.

Siemens steht dabei nicht still. Mit dem Programm „Siemens for Startups“ wird kleinen Unternehmen der Zugang zu diesen industriellen Technologien erleichtert. Zudem kooperiert Siemens mit JetZero zur Entwicklung eines Blended-Wing-Flugzeugs, das die Treibstoffeffizienz erheblich steigern soll. Die Partnerschaft mit Veranstaltungen wie der CES 2025 verdeutlicht das Engagement, die Verschmelzung von physischer und digitaler Welt voranzutreiben.

Diese Entwicklungen stehen jedoch auch vor Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Datensicherheit und die ethische Nutzung von KI. Dennoch bleibt die Aussicht, dass KI als Schlüsseltechnologie für nachhaltige Industriepraktiken wirken kann, vielversprechend. Der Markt für digitale Zwillinge wird voraussichtlich bis 2030 auf über 50 Milliarden US-Dollar anwachsen und wird zur Grundlage für künftige Innovationen in der Industrie.