Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis Miesbach steht vor Herausforderungen, die Millionenbeträge erfordern, um den aktuellen Standard zu halten. Durch die Rückgabe der Konzessionen der Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) wird die Situation zusätzlich kompliziert. Wie merkur.de berichtet, plant RVO, alle Konzessionen zurückzugeben, von denen einige bereits 2025 auslaufen. Während der Kreistag unter Jens Zangenfeind (FWG) betont, dass der jetzige Standard erhalten werden muss, werfen steigende Energie- und Lohnkosten sowie ein Mangel an Fahrern Fragen über die Nachhaltigkeit des bestehenden Modells auf.
Im Haushalt 2025 sind rund acht Millionen Euro für den ÖPNV eingeplant. Davon sind über 4,7 Millionen Euro für die Mobilitätsentwicklung vorgesehen, und 3,1 Millionen Euro fließen in Maßnahmen aus dem Nahverkehrsplan. Der Landkreis verpflichtet sich, Buslinien auszuschreiben und zu finanzieren, während die Ticketeinnahmen auf ein Kreiskonto gehen. Auch die Gestaltung des Busnetzes liegt in der Verantwortung des Landkreises.
Konzessionen und ihre Auswirkungen
Die Rückgabe der Konzessionen wird durch den Rückgang der Schülerzahlen und die Einführung stark subventionierter Fahrkarten erklärt, die nicht kostendeckend sind. Der Kreiskämmerer Gerhard de Biasio äußerte Bedenken über die zu erwartenden Kostensteigerungen in Folge des gemeinwirtschaftlichen Betriebs, die von den Bürgern getragen werden müssen. Ab Dezember 2025 wird der Alpenbus, eine neue Expressverbindung von Rosenheim über Miesbach, Gmund und Bad Tölz bis Murnau, in Betrieb genommen, was eine positive Entwicklung darstellt.
Matthias Schmid, Sachbearbeiter für ÖPNV, stellte ebenfalls fest, dass die Unternehmensmodelle der RVO überarbeitet werden müssen. Insbesondere die Einführung des Deutschlandtickets und der Mangel an Busfahrern haben Auswirkungen auf den ÖPNV im Landkreis. Die bis 2029 verlierenden zwölf eigenwirtschaftlichen Linien werden daher neue Ausschreibungen erfordern, während für drei Linien, deren Konzessionen 2025 auslaufen, Notvergaben notwendig werden, die kostspielig sind. Die Kosten für diese verschiedenen Verfahren könnten bis 2027 auf bis zu 1,2 Millionen Euro ansteigen.
ÖPNV in Deutschland und die Bedeutung der Wirtschaftlichkeit
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hebt hervor, dass die Fahrgastzahlen im ÖPNV seit 2022 wieder im Steigen begriffen sind, nachdem sie durch die Corona-Pandemie gesunken waren. 2023 nutzen rund 9,4 Milliarden Fahrgäste die Dienste der VDV-Mitgliedsunternehmen. In dieser Zeit konnten durch Busse und Bahnen täglich etwa 18 Millionen Autofahrten vermieden und 10 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden. Der VDV fordert daher auch ein weiteres Engagement in der nachhaltigen Mobilität.
Die Gesamtheit der Entwicklungen im Landkreis zeigt, dass ein deutlich größerer Bedarf an Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV besteht. Der Landkreis Miesbach muss sich zügig um die Neuausschreibungen der Buslinien kümmern und gleichzeitig seine Einwohner an die Veränderungen im Verkehrssystem anpassen, um ein effektives und nachhaltiges Mobilitätskonzept für die Zukunft zu entwickeln.