Das Nationale Bargeldforum in Deutschland hat einen Vorstoß gestartet, Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen. In einem Vorschlag, der von der Bundesbank initiiert wurde, wird eine gesetzliche Regelung gefordert, die Barzahlungen auf den nächsten fünf Cent auf- oder abrundet. Beispielhaft würde bei einem Preis von 4,99 Euro auf 5 Euro gerundet und bei 1,02 Euro auf 1 Euro. Diese Regelung ähnelt den Rundungsregeln, die bereits in den Niederlanden und Finnland angewendet werden. Der MDR berichtet, dass der Deutsche Handelsverband den Vorschlag unterstützt, jedoch Klärungsbedarf sieht.
Der Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz begründet die Initiative mit den hohen ökonomischen und ökologischen Kosten der Kleinmünzen. Das Nationale Bargeldforum, das 2024 gegründet wurde, verfolgt das Ziel, Bargeld als Zahlungsmittel zu sichern und die Nutzung zu fördern.
Offene Fragen und Herausforderungen
Der Vorschlag wirft jedoch mehrere offene Punkte auf, wie die Anpassung von Kassensystemen und steuerliche Fragen zur Mehrwertsteuer auf Rundungsbeträge. Ralph Rotzler von der Bundesbank betont, dass es nicht um die vollständige Abschaffung von Bargeld gehe, sondern um eine Stärkung des Bargelds durch den Verzicht auf Kleinstmünzen.
Zudem hat das Bargeldforum das Bundesfinanzministerium um Unterstützung für eine gesetzliche Regelung gebeten. Das Ergebnis dieser Initiative bleibt jedoch ungewiss. Die Verbraucherzentrale Bundesverband weist darauf hin, dass viele Menschen Kleinmünzen als lästig empfinden, während Bargeld insgesamt weiterhin das häufigste Zahlungsmittel in Deutschland ist.
Bargeldnutzung in Europa
Nach aktuellen Umfragen von BearingPoint bleibt Bargeld in den deutschsprachigen Ländern, also Deutschland, Österreich und der Schweiz, die am häufigsten genutzte Zahlungsmethode. In Deutschland liegt die Bargeldnutzung bei 69 Prozent, in Österreich bei 73 Prozent und in der Schweiz bei 57 Prozent. Im Gegensatz dazu ist die Nutzung in nordischen Ländern wie Schweden und Dänemark mit 28 beziehungsweise 35 Prozent deutlich geringer. Die Häufigkeit der Bargeldnutzung hat sich im Vergleich zum Vorjahr in nahezu allen befragten Ländern verringert.
Die Debatte um die Nutzung von Kleinstmünzen spielt auch in diesen Kontext, da viele Befragte auf eine Abkehr von Ein- und Zwei-Cent-Münzen drängen. Eine Umfrage zeigt, dass eine Mehrheit der EU-Befragten diese Münzen abschaffen möchte. Solche Entwicklungen könnten auch Einfluss auf die Diskussion über digitale Zahlungsmethoden und den digitalen Euro haben, der von einem Drittel der Befragten in Deutschland wiederholt genutzt werden würde.
Insgesamt ist die Zukunft von Bargeld und Kleinmünzen in Deutschland und Europa unsicher. Der Ausgang des Vorschlags des Nationalen Bargeldforums könnte eine bedeutende Änderung in der Handhabung von Kleinstbeträgen nach sich ziehen.