Am 18. Januar 2025 versammelten sich in Karlsruhe mehrere tausend Menschen zu einer Demonstration für Vielfalt und Demokratie, die unter dem Motto „Mit uns statt gegen uns“ stand. Die Veranstaltung wurde maßgeblich von Menschen mit einer Migrationsgeschichte organisiert und brachte laut Schätzungen zwischen 2.500 und 3.000 Teilnehmern auf den Marktplatz, während die Stadt lediglich mit 1.500 gerechnet hatte. Mit handbemalten Plakaten und bunten Fahnen machten die Demonstranten auf ihre Anliegen aufmerksam, während Slogans wie „Hass ist keine Meinung“ und „Nazis essen heimlich Döner“ lautstark skandiert wurden.

Die Demonstration war eine direkte Reaktion auf die umstrittene Wahlkampfaktion der AfD, die mit sogenannten „Abschiebetickets“ auf sich aufmerksam machte. Diese Tickets wurden entworfen, um Asylbewerber zur Ausreise zu bewegen und trugen das Fahrtziel Jerusalem. Kritiker, wie Ahmad Hawarnah, einer der Mitorganisatoren der Veranstaltung, äußerten Bedenken über die aktuelle gesellschaftliche Stimmung und ihre eigene Zugehörigkeit in einem Klima, das von derartigen Aktionen geprägt ist. Die Kritik an der AfD-Aktion war parteiübergreifend und wurde als menschenverachtend und unanständig eingestuft. Auch Karlsruhes Oberbürgermeister sowie andere Politiker schlossen sich dieser Verurteilung an.

Die AfD und die historische Parallele

Im Zusammenhang mit den „Abschiebetickets“ wird häufig auf die historischen Vorbilder verwiesen. Die Gestaltung dieser „Flugtickets“ erinnert an die Propaganda der NSDAP, die in den 1930er Jahren Zettel verteilte, die an echte Zugtickets erinnern sollten. Diese historischen Zettel signalisieren, dass Juden und andere als unerwünscht geltende Gruppen aus Deutschland ausgeschlossen werden sollten, und fanden in der damaligen Bevölkerung großen Anklang. Ein bemerkenswerter Aspekt ist, dass auf den AfD-Tickets das Fahrtziel Jerusalem steht, was eine schockierende Modernisierung dieser veralteten Taktiken darstellt, indem alte antisemitische Narrative wieder neu entfacht werden, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Die Kriminalpolizei in Karlsruhe hat aufgrund dieser Vorkommnisse Ermittlungen wegen Volksverhetzung eingeleitet. Inzwischen sind zahlreiche Anzeigen von besorgten Bürgern und politischen Parteien eingegangen, die nun von den Behörden geprüft werden.

Ein Teil der größeren Protestbewegung

Die Demonstration in Karlsruhe reiht sich ein in eine größere Welle von Protesten gegen die AfD und deren reaktionäre Politik. Seit Mitte Januar 2024 finden bundesweit Proteste statt, an denen über zwei Millionen Menschen auf mehr als 500 Veranstaltungen teilgenommen haben. Die größte dieser Demonstrationen fand am 21. Januar 2024 in Berlin statt, wo laut Organisatoren 350.000 Menschen für eine offene Gesellschaft auf die Straße gingen. Solche Mobilisierungen stellen einen bedeutenden Teil der politischen Landschaft dar, die seit längerem geprägt ist von einer zunehmenden Radikalisierung und dem erstarkenden Einfluss reaktionärer Parteien wie der AfD.

Insgesamt zeigt die große Mobilisierung an diesem Tag in Karlsruhe nicht nur die Ablehnung der AfD und ihrer Politik, sondern auch die Entschlossenheit der Menschen, für eine diverse und respektvolle Gesellschaft einzutreten. Solche Veranstaltungen stellen einen wichtigen Ausdruck von Zivilgesellschaft und Widerstandskraft in Zeiten von Intoleranz und Rassismus dar.