Am 27. Januar wird seit 1996 der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur gedacht. In diesem Jahr wird mit besonderem Fokus auf das Leben und Wirken von Karl Huber, einem unbeugsamen Widerstandskämpfer aus Frankenthal, aufmerksam gemacht. Ein Stolperstein in der Sterngasse 2 erinnert an Huber, der am 23. Juni 1904 als jüngstes Kind von Franz Xaver Huber und Elisabeth in Frankenthal geboren wurde. Er hatte insgesamt sieben Geschwister.

Huber erhielt seine schulische Ausbildung an der Volksschule und erlernte ab 1919 den Beruf des Maschinenschlossers. Seine berufliche Laufbahn begann bei der Schnellpressenfabrik Albert & Cie, gefolgt von Tätigkeiten in einer Heil- und Pflegeanstalt sowie in weiteren Betrieben bis zu seiner Entlassung aufgrund politischer Aktivitäten im Januar 1933, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen.

Politisches Engagement und Verhaftung

Huber trat nach dem Ersten Weltkrieg in die Sozialistische Arbeiter-Jugend (SAJ) ein und wurde 1924 Mitglied der SPD. In Berlin engagierte er sich im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und trat ab 1932 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. Er engagierte sich auch im Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV) und im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB). In der Zeit seiner politischen Tätigkeit gründete er mit ehemaligen Parteikollegen einen Zirkel zur Diskussion aktueller politischer Geschehnisse.

Am 9. März 1935 wurde Huber wegen „Beleidigung der SA“ verhaftet und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Nachdem er eine verbotene Druckschrift übergeben hatte, wurde er von einem SA-Mann angezeigt. Während seine Mitstreiter 1936 freigelassen wurden, blieb Huber im Gefängnis in München-Stadelheim. Nach neuerlicher Verhaftung wurde er am 21. Juli 1936 vom Oberlandesgericht München wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu einem Jahr und fünf Monaten Gefängnis verurteilt.

Konzentrationslager und Nachkriegszeit

Am 6. Februar 1937 wurde er ins Konzentrationslager Dachau überstellt, gefolgt von seiner Ankunft im KZ Mauthausen am 27. September 1939 und schließlich im KZ Buchenwald am 12. November 1942. Während seiner Zeit in den Lagern wurde er als „Schutzhäftling“ und „politischer Häftling“ in die härteste Lagerstufe eingestuft. Huber überlebte die grausamen Bedingungen der Konzentrationslager und kehrte im Mai 1945 nach Frankenthal zurück.

Nach dem Krieg tätigte Huber verschiedene politische Ämter und war von 1946 bis 1948 Vorsitzender der örtlichen KPD sowie Mitglied des Stadtrats. Darüber hinaus war er Mitglied der Zentralen Säuberungskommission im Oberregierungspräsidium Hessen-Pfalz. Später leitete er als Regierungsrat die Betreuungsstelle für die Opfer des Faschismus. Trotz seines Engagements wurde Huber 1951 entlassen, da er sich weigerte, aus der KPD auszutreten. In der Folge gründete er die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und wurde deren erster Landessekretär.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes

Die VVN, die nach dem Ende des Nationalsozialismus entstand, verstand sich als überparteiliche Organisation von Verfolgten des Naziregimes. Die Gründung fand am 26. Juni 1945 in Stuttgart statt und wurde von Angehörigen der KPD und SPD initiiert. Diese Organisation setzte sich für Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Demokratisierung und antifaschistische Einheit ein. Besonders der Rote Winkel, das Kennzeichen politischer Häftlinge, wurde zum Verbandszeichen der VVN.

Mit der Zeit erlebte die VVN einen Mitgliederanstieg und zählte im Oktober 1947 etwa 300.000 Mitglieder in den vier Besatzungszonen. Dennoch sah sich die Organisation auch Herausforderungen gegenüber, wie der Auflösung in der DDR 1953 und Verbotsverfahren in der Bundesrepublik Deutschland. Trotz dieser Schwierigkeiten blieb die VVN ein bedeutender Akteur in der Erinnerungskultur und der Unterstützung von Opfern des Nationalsozialismus.

Karl Huber wurde am 9. Juni 1965 beigesetzt. Sein Lebensweg verdeutlicht den unermüdlichen Widerstand gegen die Diktatur und die unermesslichen Herausforderungen, denen sich die Widerstandskämpfer gegenübersahen. Sein Vermächtnis lebt nicht nur in der Erinnerung, sondern auch in den fortdauernden Bemühungen, die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuarbeiten und die Stimme der Verfolgten zu bewahren. Die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte ist nach wie vor aktuell und wichtig für eine demokratische Gesellschaft.