Im Rahmen eines innovativen Forschungsprojekts an der Medizinischen Fakultät Ostwestfalen-Lippe (OWL) werden Medizinstudierende künftig von Menschen mit intellektuellen und körperlichen Beeinträchtigungen in ihrer Ausbildung profitieren. Dieses Projekt, bekannt unter dem Namen FRiMeL, wird vom Betheler Krankenhaus Mara und der Fakultät durchgeführt und erhält eine Förderung von rund 300.000 Euro von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre. Ziel ist es, Verständnis und Respekt über die Erfahrungen von Menschen mit Beeinträchtigungen zu fördern und die inklusive Medizin voranzubringen.
Die Einbeziehung von Personen mit Beeinträchtigungen in das Dozent*innenteam wird ab dem zweiten Studienjahr erfolgen. Lehrassistent*innen werden den Studierenden aufzeigen, wie sie Erkrankungen im Alltag erleben und den Austausch in Leichter Sprache schulen. Damit soll nicht nur die Kommunikation trainiert werden, sondern auch Berührungsängste abgebaut werden.
Ein inklusives Lehrkonzept
Professorin Dr. Tanja Sappok, die als erste Inhaberin einer Professur für Menschen mit Behinderung mit Schwerpunkt psychische Gesundheit in Deutschland gilt, leitet das Projekt gemeinsam mit Professor Dr. Christian Brandt, der eine Professur für Epileptologie mit Schwerpunkt Behindertenmedizin innehat. Ihre Expertise spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung eines maßgeschneiderten Schulungskonzepts für künftige Dozierende. Aktuell zählen bereits vier wissenschaftliche Mitarbeitende und die ersten vier inklusiven Lehrassistent*innen zum Projektteam.
Das Projekt startete offiziell am 1. April 2024, und nach Schulungen zu Beginn des Jahres 2025 sollen die ersten Lehrveranstaltungen im Sommersemester beginnen. Erste Rückmeldungen der Teilnehmer sind durchweg positiv, wobei die Projekttreffen als bereichernd und außergewöhnlich beschrieben werden.
Ein Schritt zur Inklusion in der Hochschulbildung
Diese Initiative fällt in einen größeren Kontext der Diskussion um Inklusion in der Hochschulbildung, wie sie in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen festgeschrieben ist, die Deutschland 2009 unterzeichnet hat. Die Zielgruppe, die von derartigen Projekten und Ansätzen profitiert, sind in erster Linie Menschen mit Behinderungen.
Zusätzlich wird das Konzept der Diversität in der Hochschulbildung berücksichtigt, um eine heterogene Studierendenschaft zu integrieren. Der Bildungsserver bietet eine Linksammlung zu Förderansätzen der Inklusion und deren Umsetzung an deutschen Hochschulen, sowie konkrete Informationen und Angebote für Studierende mit Beeinträchtigungen im Rahmen des Zielgruppenangebots „Behinderung und Studium“. Diverse Ansätze zur Verbesserung und Förderung der Teilhabe von Studierenden mit Beeinträchtigungen und Behinderungen sind entscheidend, um eine inklusive Gesellschaft zu schaffen und die Rahmenbedingungen in der Hochschulbildung kontinuierlich zu verbessern.