Imke Wübbenhorst, die Pionierin des Frauenfußballs, kehrt nach einem 14-wöchigen Mutterschaftsurlaub als Chef-Trainerin der Frauenmannschaft von Young Boys Bern in der Schweizer Women’s Super League zurück. Ihre Rückkehr erfolgt am Samstag im Ligaspiel gegen Grasshopper Zürich. Während ihrer Abwesenheit wurde sie von Rolf Kirchhofer vertreten. Wübbenhorst sieht keine Karrierehemmnisse durch ihr Kind und erhält in der ersten Zeit familiäre Unterstützung durch ihre Mutter Kerstin, die sich um ihren Sohn Bendt kümmern wird. Sie plant zudem, weiterhin zu stillen, während sie sich um das Training kümmert.

Die 34-jährige Trainerin äußerte anfangs Bedenken gegenüber der Reaktion ihrer Spielerinnen auf ihre Schwangerschaft, fand jedoch Rückhalt im Team und im Verein. Wübbenhorst gibt an, zu 100 Prozent zu ihrer Mannschaft zurückkehren zu wollen und ist nicht interessiert an einem Job-Tandem mit Kirchhofer.

Eine Karriere voller Herausforderungen

Imke Wübbenhorst hat als erste Frau seit Inka Grings einen Männer-Viertligisten trainiert. Ihre Karriere begann 2013 mit dem Aufstieg in die Frauen-Bundesliga. Während ihrer Laufbahn sah sie sich manch sexistischem Kommentar ausgesetzt, reagierte darauf jedoch schlagfertig. Sie erinnert sich besonders an den „Fußballspruch des Jahres 2019“, der ihre Fähigkeit, mit Vorurteilen umzugehen, unter Beweis stellte.

Die Herausforderungen für Trainerinnen im Männerfußball sind nach wie vor beträchtlich. Im Januar 2023 wurden beispielsweise 17 Pro Lizenzen ausschließlich an Männer vergeben, was die bestehende Ungleichheit verdeutlicht. Dennoch bleibt Wübbenhorst optimistisch und plant, ihre Karriere in Bern fortzusetzen, ohne eine Rückkehr nach Deutschland in Betracht zu ziehen.

Engagement für Geschlechtergerechtigkeit im Sport

Die Rückkehr von Wübbenhorst fällt in eine Zeit, in der die Sichtbarkeit von Frauen im Fußball zunehmend gefördert wird. Das Bundesfrauenministerium und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben das Projekt „Klischeefrei im Sport – no stereotypes“ ins Leben gerufen, um die Teilhabe aller Menschen am Sport zu stärken. Ziel ist es, Klischees abzubauen und die Sichtbarkeit von Frauen im Fußball zu erhöhen.

Bundesfrauenministerin Lisa Paus hat die Bedeutung der Live-Übertragung aller WM-Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hervorgehoben. Die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2023 in Australien und Neuseeland oder die DFB-Strategie „Frauen im Fußball FF27“, die alle Bereiche des weiblichen Fußballs abdeckt, sind Teil dieser Bestrebungen. Sichtbarkeit und Chancengleichheit sind zentrale Themen, die insbesondere den Zugang von Mädchen und Frauen zum Fußball erleichtern sollen.

Die Initiativen und der Mut von Sportlerinnen wie Imke Wübbenhorst sind entscheidend, um eine Ära des Wandels herbeizuführen und Geschlechtergerechtigkeit im Sport voranzutreiben.