Regelmäßiges Arbeiten im Homeoffice birgt Risiken für die Aufstiegschancen der Beschäftigten. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, die rund 5000 Erwerbstätige und Arbeitsuchende befragte. Die Untersuchung legt nahe, dass insbesondere kinderlose Frauen und Männer sowie Väter mit hohem Homeoffice-Anteil von weniger Engagement in der Wahrnehmung der Arbeitgeber betroffen sind. Eine Betriebsvereinbarung zur mobilen Arbeit könnte diese Nachteile jedoch ausgleichen, sofern sie alle Beschäftigten einbezieht. Die Coronakrise hat den Trend zum Homeoffice deutlich beschleunigt, und der Anteil der Mitarbeiter, die regelmäßig von zu Hause aus arbeiten, liegt jetzt über dem Niveau vor der Pandemie.

Eine Untersuchung von Yvonne Lott, Senhu Wang und Heejung Chung zeigt, dass höhere Homeoffice-Tage mit schlechteren Bewertungen für den beruflichen Aufstieg korrelieren. Teilnehmer der Studie bewerteten fiktive Kandidaten auf einer Skala von 0 bis 10, wobei in der Bewertung von Bewerbern ohne Homeoffice-Tage ein Durchschnitt von 7,3 erreicht wurde, während bei 3-4 Tagen Homeoffice nur noch 6,6 Punkte vergeben wurden. Insbesondere kinderlose Männer und Frauen sowie Väter mit mehreren Homeoffice-Tagen schnitten besonders schlecht ab. Mütter hingegen erfuhren weniger Stigmatisierung, haben jedoch mit anderen beruflichen Nachteilen zu kämpfen.

Die Entwicklung des Homeoffice-Angebots

In Deutschland zeigt sich seit 2014 ein langsamer Anstieg des Homeoffice-Angebots, welcher durch die Pandemie erheblich beschleunigt wurde. Laut einem Bericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gab es bis 2020 nur geringe Veränderungen, jedoch folgte nach Beginn der Pandemie eine deutliche Ausweitung der Angebote für mobiles Arbeiten. Viele der zuvor bestehenden Vorbehalte gegen Homeoffice sind mittlerweile nahezu bedeutungslos geworden. Dennoch bieten 25 Prozent der privatwirtschaftlichen Betriebe mit 50 oder mehr Beschäftigten praktisch keinen Zugriff auf mobile Arbeit, hauptsächlich aufgrund der Ungeeignetheit bestimmter Tätigkeiten in der Belegschaft.

Die Hans-Böckler-Stiftung hat seit vielen Jahren mobile Arbeit und deren Risiken untersucht. Vor der Pandemie arbeiteten lediglich 4 Prozent der Beschäftigten überwiegend im Homeoffice, dieser Anteil stieg jedoch auf bis zu 27 Prozent im April 2020, um im November 2020 wieder auf 14 Prozent zu fallen. Aktuelle Daten zeigen, dass 75 Prozent der Beschäftigten, die während der Pandemie im Homeoffice tätig waren, beabsichtigen, auch zukünftig teilweise von zu Hause aus zu arbeiten.

Vorteile und Herausforderungen des Homeoffice

Die Vorteile des Homeoffice liegen vor allem in der selbstbestimmten Arbeitsgestaltung und einer verbesserten Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. 77 Prozent der Befragten empfinden Homeoffice als erleichternd für ihre familiären Verpflichtungen. Dennoch zeigt sich auch eine Schattenseite: 60 Prozent der Arbeitnehmer berichten von verschwommenen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, wobei 45 Prozent der Homeoffice-Arbeiter abends nicht abschalten können.

Die Pandemie hat nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die Wahrnehmung von Anwesenheit am Arbeitsplatz verändert. Während vor der Pandemie 60 Prozent der Vorgesetzten hohen Wert auf physische Präsenz legten, sind es 2023 nur noch 15 Prozent. Die Diskussion über ein „Recht auf Homeoffice“ gewinnt an Fahrt. Ein solches Recht könnte insbesondere Frauen zugutekommen, die oft die Hauptverantwortung für Sorgearbeit tragen. Langfristig könnte eine Mischung aus Homeoffice und Präsenzarbeit angestrebt werden, um eine faire Arbeitsumgebung zu schaffen.

Klare Regeln für mobile Arbeit sind entscheidend, und Betriebe mit Betriebsrat bieten tendenziell bessere Bedingungen. Arbeits- und Gesundheitsschutz gelten auch im Homeoffice, wobei die Verantwortung für die Einhaltung dieser Standards bei den Arbeitgebern liegt. Die Diskussion um die Zukunft des Homeoffice wird weiterhin intensiv geführt, da sich die Arbeitsorganisation in vielen Bereichen grundlegend wandelt.