Am heutigen 11. März 2025 wählt Grönland ein neues Parlament, während die Bevölkerung unter dem Druck der Besitzansprüche des US-Präsidenten Donald Trump steht. Etwa 40.000 wahlberechtigte Bürger sind aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Die Wahllokale schließen am Abend, und die vorläufigen Ergebnisse werden in der Nacht zum Mittwoch erwartet. Bei dieser Wahl werden alle 31 Sitze im grönländischen Parlament, dem Inatsisartut, neu vergeben.

Die linke Partei Inuit Ataqatigiit (IA) des Regierungschefs Múte B. Egede ist seit der letzten Wahl 2021 die stärkste Kraft. Zunächst regierte sie mit der unabhängigkeitorientierten Naleraq, seit 2022 führt sie eine Koalition mit der sozialdemokratischen Siumut. Diese Wahl findet unter bisher beispiellosem internationalem Interesse statt, insbesondere angesichts von Trumps mehrfach geäußerten Ansprüchen, die Kontrolle über Grönland übernehmen zu wollen. Trump hatte vor der Wahl massive Investitionen und Arbeitsplätze in Aussicht gestellt.

Politische Spannungen und Bürgerdenken

Die Diskussion um die Unabhängigkeit von Dänemark hat durch Trumps Drohungen zugenommen. Auch wenn 85 Prozent der Grönländer gegen eine Teilhabe an den USA sind, befürchtet etwa die Hälfte der Bevölkerung, dass sie unter wirtschaftlichen und politischen Druck geraten könnte. Premierminister Egede hat Trump als unberechenbar und respektlos bezeichnet und betont, dass Grönland „nicht zu verkaufen“ sei. Die Forderungen der Wähler nach niedrigeren Lebenshaltungskosten, verbesserter Gesundheitsversorgung und mehr Selbstbestimmung sind ebenfalls ein zentrales Thema der Wahl.

Die Wahl findet zudem erstmals unter internationaler Beobachtung statt. Grönland besitzt die Teilautonomie eines königlichen Territoriums Dänemarks und erhält jährlich etwa eine Milliarde Euro aus Kopenhagen. Diese finanzielle Unterstützung steht jedoch im Konflikt mit den Bestrebungen nach mehr Unabhängigkeit. Egede hat die Überlegungen zu US-Rohstoffgeschäften angesprochen, solange die Interessen der grönländischen Bevölkerung gewahrt blieben.

Parteienlandschaft und Zukunftsperspektiven

Grönlands politische Landschaft ist vielfältig. Die zentristische Partei Naleraq ist die stärkste Oppositionspartei und befürwortet eine engere Kooperation mit den USA, während die konservative Partei Atassut gegen eine Unabhängigkeit von Dänemark ist und die US-Militärpräsenz unterstützt. Die sozialliberale Partei Demokraatit warnt vor den Risiken einer schnellen Unabhängigkeit und appelliert an einen besonnenen Umgang mit den aktuellen Herausforderungen. Neu gegründete Parteien wie Qulleq fordern hingegen eine rasche Unabhängigkeit, um den Lebensstandard durch den Verkauf von Rohstoffen zu verbessern.

Zusätzlich plant Dänemark, zwei Milliarden Euro in die Verteidigung Grönlands zu investieren. Der dänische Nachrichtendienst hat vor der Wahl vor möglichen Desinformationskampagnen aus Russland und den USA gewarnt. In diesem komplexen geopolitischen Kontext könnte Egede die bevorstehenden Wahlen nutzen, um eine Einheitsregierung anzustreben, die die Unabhängigkeitsdebatte vorantreibt und möglicherweise den Druck, den Trump ausübt, in eine Chance umkehren kann.

Für viele Grönländer ist diese Wahl nicht nur eine Entscheidung über die zukünftige Regierung, sondern auch eine wegweisende Richtungsentscheidung zwischen den Einflüssen der USA und Dänemarks. Die kommenden Tage werden zeigen, in welche Richtung sich die politischen Kräfte in Grönland entwickeln.

Weitere Informationen finden Sie in den Artikeln von Remszeitung, Come-On und Spiegel.