Naomi Beckwith, die neue künstlerische Leiterin der nächsten Documenta, hat am Dienstagabend in Kassel ihre Vision für die kommende Ausgabe der renommierten Kunstschau präsentiert. Beckwith, stellvertretende Direktorin und Chefkuratorin am Solomon R. Guggenheim Museum in New York, wurde von einer internationalen Findungskommission zur Leitung der Documenta 16 ernannt. Sie wird ihre Kuratorische Arbeit von Juni bis September 2027 gestalten, was von den Stadtverantwortlichen in Kassel und dem Hessischen Staatsministerium positiv aufgenommen wurde. Diese Ernennung erfolgt nach den Kontroversen rund um die Documenta 15, in deren Verlauf Antisemitismus-Debatten einen Skandal auslösten. Beckwith hat betont, dass ihre Leitung ein Raum für Dialog und Reflexion sein soll, wobei Respekt und der transkulturelle Austausch im Mittelpunkt stehen werden, wie Welt.de berichtet.
Beckwith hob in ihrer Präsentation die Bedeutung der multikulturellen Gesellschaft Chicagos hervor, aus der sie stammt. Insbesondere anerkannte sie die Einflüsse ihrer Heimatstadt auf ihren künstlerischen Stil. Ein wichtiger Teil ihrer Ansprache war die Nennung der Arbeit „Lake Interiors: AF-520 HD Still“ von Cauleen Smith, die zuvor im Astrup-Fearnley Museum in Oslo ausgestellt wurde. Beckwith bezeichnete die Documenta als „Experimentierfeld für Entdeckungen und Erweckungen“ und will die Verbindung von Kunst und Musik besonders betonen. Sie plante auch, im kommenden Sommer nach Kassel zu ziehen, um sich intensiver mit der hiesigen Kunstszene zu beschäftigen und auf lokale Tänze zu lernen.
Ein starkes Team für die Documenta 16
Die Findungskommission, die ihre Ernennung bedacht hat, enthält sechs international anerkannte Experten, darunter Yilmaz Dziewior, Sergio Edelsztein und Mami Kataoka. Diese Experten werden maßgeblich an der Entwicklung des künstlerischen Konzepts für die Documenta 16 beteiligt sein und sicherstellen, dass diverse Stimmen in die Ausstellung einfließen. Beckwith plant, dabei auch mit Künstlern wie Artur Jafa, Glenn Ligon und Tavares Strachan zusammenzuarbeiten. Letzterer ist bekannt für seine Neon-Schrift „We are in this together“, die stark resonante Themen wie „history“ behandelt.
Zudem hat Beckwith eine klare Haltung gegenüber diskriminierenden Haltungen formuliert; sie hat Nulltoleranz gegenüber Rassismus und Antisemitismus betont. Dies tritt besonders in den Licht der einschneidenden Erfahrungen der Documenta 15 und der darauffolgenden Transformation auf, die Kassels Oberbürgermeister Sven Schoeller als Lernprozess beschrieben hat.
Ausblick auf die Herausforderungen und Ziele
Der Fokus von Beckwith auf Vielfalt und respektvollen Austausch ist nicht nur ein künstlerisches Anliegen, sondern auch Teil einer notwendigen Reaktion auf die Vorfälle rund um die vorherige Documenta. Die Kulturpolitische Expertise der Findungskommission wird zusammen mit Beckwiths Erfahrung dazu beitragen, dass die Documenta 16 ein integratives und innovatives Event werden kann. Sie ist optimistisch, dass die kommende Ausstellung in Kassel sowohl auf nationaler als auch internationaler Bühne beeindruckende Akzente setzen wird.
Ein Verhaltenskodex, der von einer Managementberatung empfohlen wurde, wird künftig die Interaktion innerhalb der documenta-Gesellschaft leiten. Die interne Richtlinie soll dazu beitragen, dass solch kritische Debatten auch in Zukunft konstruktiv und ohne Aggression geführt werden können. Beckwith hat auch deutlich gemacht, dass sie für Dialoge offen ist – Gewalt hingegen wird in ihrer Ära der Documenta keinen Raum finden.
Insgesamt deutet alles darauf hin, dass die nächste Documenta unter Beckwiths Leitung sowohl mutig als auch angesehen sein wird. Der Vorbereitungsprozess verspricht, sowohl herausfordernd als auch inspirierend zu werden und könnte die Documenta als bedeutendes Forum für Kunst und kulturellen Austausch festigen.