Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache bei Männern und Frauen. Laut dem Robert Koch-Institut liegt die Lebenszeitprävalenz in Deutschland bei 9,2 % für Männer und 6,5 % für Frauen. Trotz einer niedrigeren Gesamtprävalenz erleiden Frauen im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt ein 1,5-faches höheres Sterberisiko im Vergleich zu Männern. Auch die Hospitalisierungsrate für akute Herzinfarkte ist bei Männern mit 365,2 pro 100.000 Einwohner signifikant höher als bei Frauen, deren Rate bei 185,8 pro 100.000 Einwohner liegt.

Das Phänomen ist komplex: Männer erleiden Herzinfarkte doppelt so häufig wie Frauen. Jedoch zeigt sich, dass Frauen, die einen Herzinfarkt erleiden, oftmals an unspezifischen Symptomen wie Kurzatmigkeit, Leistungsschwäche und Schmerzen im Oberbauch leiden, was die Diagnose erschwert. Zudem erleiden Frauen Herzinfarkte im Durchschnitt 7 bis 10 Jahre später als Männer, doch nach der Menopause steigt ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant an. Rund 34 % aller Todesfälle in den letzten Jahren entfielen auf kardiovaskuläre Erkrankungen.

Ungleichheiten in der Forschung

Ein zentrales Problem in der Kardiologie ist, dass Frauen in Herz-Kreislauf-Studien häufig unterrepräsentiert sind. Nur 25–30 % der Studienprobanden sind weiblich. Diese Unterrepräsentation kann dazu führen, dass wichtige geschlechterspezifische Unterschiede in Prävalenz, Pathophysiologie, Symptomatik und Therapieansprache übersehen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) weist auf die Notwendigkeit hin, diese Unterschiede in der klinischen Praxis stärker zu berücksichtigen.

Ein neues Positionspapier der DGK, das Mitte 2024 veröffentlicht werden soll, widmet sich genau diesen geschlechterspezifischen Aspekten. Es soll eine umfassende Darstellung der biologischen Geschlechterunterschiede und Empfehlungen zur Berücksichtigung dieser Unterschiede in der Kardiologie bieten. Insbesondere sollen die unterschiedlichen Verläufe von kardiovaskulären Erkrankungen zwischen den Geschlechtern untersucht und Maßnahmen zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie vorgeschlagen werden. Dabei ist es wichtig, die Verbesserung der Versorgungsqualität durch geschlechtergerechte Ansätze zu fokussieren.

Bedarf an gezielten Forschungsanstrengungen

Die Erkenntnisse über Unterschiede im Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind derzeit noch unzureichend in aktuellen Leitlinien berücksichtigt. Besonders in Bezug auf die Anatomie, Ätiologie und Prognose von Erkrankungen sind weitere Forschungsanstrengungen notwendig. Die DGK verlangt eine verstärkte Einbeziehung weiblicher Probanden in klinische Studien, um fundierte Daten für die Behandlung und das Management von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erhalten.

Einige Faktoren, wie das Rauchen, erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen stärker als bei Männern, wohingegen die wissenschaftliche Evidenz zur Wirkung einer menopausalen Hormontherapie in diesem Kontext bislang nicht überzeugend ist. Daraus ergibt sich der Bedarf an geschlechtsspezifischen Studien zur optimalen Medikation und Dosierung, um Nebenwirkungen zu minimieren und die Behandlungsergebnisse zu verbessern.

Zusammenfassend ist das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Aspekte in der Medizin zwar gestiegen, dennoch bleibt noch viel zu tun, um die Forschung und die klinische Praxis an die spezifischen Bedürfnisse von Frauen anzupassen. Die kommenden Leitlinien und Positionspapiere werden entscheidend sein, um Richtungen für die zukünftige Kardiologie zu weisen und um die geschlechtsspezifischen Unterschiede observable zu machen.

Die umfassenden Informationen sowie die Details zu den geschlechterspezifischen Aspekten kardiovaskulärer Erkrankungen können weiter auf den Webseiten der Universität Regensburg (Uni Regensburg), der DGK (DGK) sowie der Herzmedizin (Herzmedizin) nachgelesen werden.