Der Hebammenmangel im Ostalbkreis stellt eine erhebliche Herausforderung für schwangere Frauen dar. Laut Schwäbische Post haben Frauen in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf Hebammenhilfe, doch die Realität sieht oft anders aus. Sabine Windmüller, Sprecherin der Hebammen im Ostalbkreis und Leiterin des Gmünder Geburtshauses, gibt zu verstehen, dass im Geburtshaus Wartelisten existieren und nicht alle Frauen angenommen werden können. Diese Situation ist besonders im ländlichen Raum ausgeprägt, wo schwangere Frauen oftmals mehrere Hebammen kontaktieren müssen, um Unterstützung zu finden.
Die gute Versorgungssituation in städtischen Gebieten wie Gmünd, Aalen und Heidenheim steht im Kontrast zu den Schwierigkeiten, denen Frauen außerhalb dieser Städte gegenüberstehen. Oft müssen die Schwangeren viel Zeit in die Suche investieren, während die Zeit, die Hebammen für Reisen im Auto aufbringen, von den Krankenkassen nicht erstattet wird. Laut Windmüller sollten Schwangere sich bereits bei einem positiven Schwangerschaftstest um eine Hebamme kümmern, um rechtzeitig die notwendige Unterstützung zu erhalten.
Versorgungssicherheit bei außerklinischen Geburten
Die Sicherheit von Hausgeburten und Geburten in Hebammen geleiteten Einrichtungen ist hoch, wie der Bericht der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG) für 2022 zeigt. Dabei wird die pauschale Einstufung von außerklinischen Geburten als „Risiko“ vom Deutschen Hebammenverband (DHV) kritisiert. DHV-Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer weist darauf hin, dass hohe Qualitätsstandards in der außerklinischen Geburtshilfe oft unbekannt sind, sowohl in medizinischen Kreisen als auch in der Gesellschaft.
Die Studie belegt, dass die Überleitung einer Geburt in eine Klinik häufig nicht mit einem Notfall verbunden ist, was die Qualitätssicherung in der Hebammenversorgung unterstreicht. Aktuell planen nur etwa 1,94 % aller Geburten in Deutschland als Hausgeburten oder in einer Hebammen geleiteten Einrichtung. Die Teilnahme an der Perinatalerhebung von QUAG ist seit 2015 für Hausgeburtshebammen obligatorisch und sorgt für eine professionelle Erfassung der qualitativen Leistungen.
Politische Handlungsmöglichkeiten und Herausforderungen
Die Herausforderungen im Bereich der geburtshilflichen Versorgung sind nicht nur lokal, sondern auch bundesweit relevant. Das BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung berichtet von einer langanhaltenden Unzufriedenheit mit der geburtshilflichen Versorgung. Elternverbände und Leistungserbringer fordern grundlegende Verbesserungen und unterstützen die Umsetzung des Nationalen Gesundheitsziels „Gesundheit rund um die Geburt“. In diesem Kontext sind auf verschiedenen politischen Ebenen Bündnisse entstanden, die sich für eine bessere physiologische Geburt einsetzen.
Trotz der Notwendigkeit von Reformen in der geburtshilflichen Versorgung bleibt der Mangel an Transparenz ein zentrales Problem. Informationen über Angebote und Leistungen von Frauenärzten und Hebammen sind oft unklar, was die Entscheidung für eine Geburtshilfe erschwert. Dr. med. Dagmar Hertle erläutert im Podcast „Hebammenkundig“ die dringenden Herausforderungen sowie die Ziele, die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgehalten sind.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Hebammenmangel sowohl in der Versorgung als auch in der politischen Wahrnehmung eine zentrale Rolle spielt. Es bedarf weiterer Anstrengungen, um schwangeren Frauen die Unterstützung zu geben, die sie benötigen – in städtischen wie auch in ländlichen Regionen.