Hamburg Wasser, der städtische Wasserver- und -entsorger, sieht sich gegenwärtig mit einer bedeutenden personellen Krise konfrontiert. Nach aktuellen Berichten von Welt müssen gleich zwei Geschäftsführer ersetzt werden. Die kaufmännische Geschäftsführerin Gesine Strohmeyer hat entschieden, ihren Vertrag bis Ende 2025 nicht zu verlängern. Auch Ingo Hannemann, der technische Geschäftsführer und Vorsitzende der Geschäftsführung, hat in der Vorwoche bestätigt, dass er für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung steht.

Der Aufsichtsrat von Hamburg Wasser plant nun, die Verträge beider Geschäftsführer vorzeitig aufzuheben und auf der Suche nach einem Interimsgeschäftsführer zu sein. Möglicherweise wird Michael Beckereit als potenzieller Nachfolger gehandelt. Eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung ist für den 19. März angesetzt, um die Personalien endgültig zu klären.

Interne Konflikte und ein angespanntes Arbeitsumfeld

Die Situation innerhalb des Unternehmens wird durch ein schwer beschädigtes Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Geschäftsführern und fehlende Rückendeckung von Seiten der Aufsicht noch komplexer. Hannemann nannte diese Punkte als Gründe für seinen Rückzug. Hinzu kommen interne Konflikte und eine negative Medienberichterstattung über das große Projekt Vera II, dessen Kosten angestiegen sind von 200 auf 297 Millionen Euro. Vertrauliche Dokumente wurden an die Medien durchgestochen, was das Image des Unternehmens zusätzlich belastete.

Ein Vorfall bei einem internen Abendessen im September hat die Spannungen zwischen den beiden Geschäftsführern weiter angeheizt. Anselm Sprandel, der Aufsichtsratsvorsitzende, würdigte dennoch die Leistungen beider Geschäftsführer und bedankte sich für ihren Einsatz.

Kritik und politische Kontexte

Die Probleme im Management von Hamburg Wasser ziehen auch die Aufmerksamkeit aus der Politik auf sich. Der Bund der Steuerzahler richtete kritikvolle Worte an den Umweltsenator Jens Kerstan und stellte einen Mangel an Kontrolle über das Unternehmen in Frage. Parallel zu diesen Entwicklungen fanden in Hamburg am Sonntag Wahlen statt. Die SPD plant, am Freitag mit Sondierungsgesprächen zu beginnen, um die zukünftige politische Ausrichtung der Stadt zu gestalten.

Ingo Hannemann, geboren 1970 in Duisburg, bringt langjährige Erfahrung in der kommunalen Infrastrukturwirtschaft mit. Seit 2018 ist er technischer Geschäftsführer von Hamburg Wasser und seit 2021 auch Sprecher der Geschäftsführung. Sein beruflicher Werdegang umfasst Positionen bei Arthur Andersen Business Consulting sowie Führungsrollen bei der MVV-Energie-Gruppe und der Stadtwerke Osnabrück AG. Zudem engagiert er sich seit Juni 2024 als Vorstandsvorsitzender des German Water Partnership e.V. zur Lösung globaler wasserwirtschaftlicher Probleme, wie auf der Website von Hamburg Wasser zu lesen ist.