Ein grausames Verbrechen erschüttert die Gemeinde in Waterbury, Connecticut: Eine 32-jährige Frau wird beschuldigt, ihren Stiefsohn über zwei Jahrzehnte hinweg in ihrem Haus eingesperrt und misshandelt zu haben. Der junge Mann, der heute 32 Jahre alt ist, konnte sich schließlich von seiner Folter befreien, indem er ein Feuer legte. Bei seiner Rettung durch die Feuerwehr wog er nur 31 Kilogramm und war stark ausgemergelt, was auf die verheerenden Bedingungen hinweist, unter denen er lebte. Die Polizei nahm die Stiefmutter fest, als die schrecklichen Details ans Licht kamen.
Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann seit seinem elften Lebensjahr gefangen gehalten und unmenschlich behandelt wurde, ohne jegliche medizinische Versorgung. Ein Staatsanwalt beschrieb die Situation als „wie aus einem Horrorfilm“. Lehrer sowie der ehemalige Grundschuldirektor des Mannes hatten über 20 Mal das Jugendamt kontaktiert, da sie mehrmals beseitigten, dass etwas mit dem Jungen nicht stimmte. Schon im Alter von fünf Jahren fiel auf, dass der Junge oft Hunger hatte und aus der Mülltonne Essen stahl.
Ein verzweifelter Hilferuf
Die Umstände um den Stiefsohn sind besonders alarmierend. Als der Junge zehn Jahre alt war, verschwand er aus der Schule, was mit der Behauptung begründet wurde, er sei in einer anderen Schule oder zu Hause unterrichtet worden. Nachbarn berichteten, sie hätten ihn nie gesehen, was die Vermutungen über die Misshandlungen weiter verstärkte. Die Stiefmutter wies die Vorwürfe zurück, doch die Vorfälle werfen ein grelles Licht auf die mörderische Psychologie hinter emotionaler und physischer Gewalt.
Emotionale Misshandlung gilt als die häufigste Form der Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zeigt, dass solche Misshandlungen gravierende Folgen für die psychische Gesundheit haben können. Udo Dannlowski von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Münster schätzt, dass jedes dritte Kind weltweit von emotionaler Gewalt oder Vernachlässigung betroffen ist, während der Psychiater Lars Otto White von der Uni Leipzig bei einer Betrachtung für Deutschland von bis zu zehn Prozent ausgeht.
Folgen emotionaler Misshandlung
Emotionale Misshandlung umfasst unterschiedliche Formen wie Rollenumkehr, Drohungen und beleidigende Beschimpfungen. In extremen Fällen, wie dem des Mannes in Connecticut, kann sie zu anhaltenden psychischen Konsequenzen führen. Eine wiederholte Misshandlung führt zu einer sogenannten Traumalast, die das Risiko psychischer Erkrankungen stark erhöht. Frühere Studien haben gezeigt, dass emotionaler und physischer Missbrauch vor allem bei jüngeren Kindern zu Verhaltensauffälligkeiten führt, während ältere Kinder und Jugendliche eher an Depressionen und Angststörungen leiden.
Die Leipziger Studie belegt, dass emotionale Misshandlungen auch dauerhafte Schäden an Hirnstrukturen verursachen können, insbesondere am Hippocampus, der für die Emotionsregulation und Gedächtnisbildung verantwortlich ist. Laut White muss der öffentliche Fokus auf die Probleme emotionaler Gewalt und Vernachlässigung verstärkt werden, um eine Sensibilisierung in Schulen und der Politik zu erreichen.
In Anbetracht dieser verheerenden Umstände wird deutlich, dass Hilfe und Schutz für misshandelte Kinder und Jugendliche von größter Bedeutung sind. Nicht nur die physischen Wunden, sondern auch die seelischen Narben, die durch solche Taten entstehen, sind oft lebenslang und müssen ernst genommen werden.
Weitere Informationen zu dem Vorfall und den psychologischen Folgen von Misshandlung finden sich in den Berichten von Süddeutsche Zeitung und Tagesschau.