Am 30. Januar 2025 kam es in Berlin-Mitte zu einem Vorfall am Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Ein 36-jähriger Mann griff zwei Personen an, die dabei leicht verletzt wurden, und beschädigte mehrere Kränze, die zur Gedenkfeier niedergelegt worden waren. Die Polizei bestätigte die Festnahme des Mannes, weitere Hintergründe des Vorfalls sind derzeit unbekannt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Dieser Vorfall ereignete sich nur wenige Tage nach dem offiziellen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Diese Zeremonie war mit einer traurigen Nostalgie behaftet, da sich am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, an dem über 1,1 Millionen Menschen, hauptsächlich Juden, durch die Nazis ermordet wurden, eine abnehmende Zahl von Überlebenden versammelte. Laut AP News waren nur noch 56 Überlebende anwesend, und viele befürchten, dass dies die letzte große Gedenkveranstaltung mit nennenswerter Teilnahme von Überlebenden sein könnte.

Gedenken an die Opfer des Holocaust

Der 27. Januar 2005 wurde von den Vereinten Nationen als Internationaler Holocaust-Gedenktag festgelegt. In diesem Jahr waren hochrangige Gäste wie der deutsche Kanzler Olaf Scholz und Präsident Frank-Walter Steinmeier anwesend. Auch der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyy war unter den Anwesenden, während russische Vertreter seit der Invasion der Ukraine im Jahr 2022 nicht mehr willkommen sind. Die Teilnehmer mahnten, den Anstieg von Hass und Antisemitismus konsequent zu bekämpfen.

Eine der Überlebenden, Tova Friedman, 86, hob in ihrer Ansprache die Besorgnis über die gegenwärtige Lage in den USA hervor, wo Antisemitismus ebenfalls ansteigt. Auch Marian Turski, 98, appellierte an die Gesellschaft, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten. Die Zahlen bestätigen die Sorgen um die Überlebenden: Laut NZZ leben heute nur noch rund 245.000 Holocaust-Überlebende weltweit, mit einem erheblichen Rückgang im Vergleich zu früheren Jahren.

Die aktuelle Situation der Überlebenden

In Deutschland leben noch über 14.000 dieser tapferen Individuen, während Jens Mahlo von der Claims Conference die Stabilität der deutschen Demokratie thematisierte und den Anstieg antisemitisch motivierter Straftaten in den letzten Jahren anprangerte. Insbesondere nach den Ereignissen rund um den Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2022 wurden 2.200 antisemitische Straftaten registriert. Ein besorgniserregender Trend, der die Überlebenden und die Gesellschaft als Ganzes alarmiert.

Die Überlebenden, die in mittlerweile 91 Länder verstreut leben, sind im Durchschnitt 86 Jahre alt, und viele von ihnen sind sogenannte „Child Survivors“, die bei Kriegsende unter 18 Jahre alt waren. Diese demografischen Erkenntnisse, die erstmals durch eine Studie der Claims Conference ans Licht kamen, zeigen die Dringlichkeit, das Andenken an die verfolgten Menschen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig aktiv gegen die damit verbundenen gegenwärtigen Herausforderungen vorzugehen.