Die Corona-Pandemie hat in Deutschland nicht nur gesundheitliche, sondern auch tiefgreifende gesellschaftliche Folgen hinterlassen. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt durch die Pandemie erheblich erschüttert wurde. Vor der Pandemie glaubte noch etwa jeder zweite Bürger, sich auf seine Mitmenschen verlassen zu können; dieser Wert ist nach der Pandemie auf nur noch 29 Prozent gesunken. Besonders alarmierend ist das gestiegene Misstrauen gegenüber der Bundespolitik: Fast jeder zweite Befragte gibt an, der Politik nicht zu vertrauen, was eine Verdopplung im Vergleich zu den Zahlen vor der Pandemie darstellt. [MDR berichtet, dass] die gesellschaftlichen Spannungen sich in zahlreichen Klagen gegen örtliche Gesundheitsbehörden manifestieren, wobei die gerichtlichen Entscheidungen stark variieren.
Der Familienvater Dirk Rosenbaum hat während der Lockdowns das wachsende Misstrauen gegenüber der Politik selbst erlebt. Rosenbaum, der sich mit seiner Familie gegen die Corona-Schutzimpfung entschieden hat, beschreibt eine gesellschaftliche Stigmatisierung: Ungeimpfte wurden als „Abschaum der Gesellschaft“ bezeichnet. Er kritisiert, dass Politiker und Medien Ungeimpfte für die Pandemie verantwortlich machten. Die Entscheidung des Robert-Koch-Instituts, den Genesenen-Status von sechs Monaten auf drei Monate zu verkürzen, wurde von vielen Ungeimpften als Druckmittel wahrgenommen.
Gesellschaftliche Fragmentierung und Vertrauen
Die Folgen der Pandemie gehen über individuelle Erfahrungsberichte hinaus. Laut der Bertelsmann Stiftung gibt es ein signifikantes Potenzial für Verschwörungstheorien. Nur 15 Prozent der Befragten glauben, die Pandemie sei ein Schwindel. Im Gegensatz dazu äußern rund 40 Prozent, dass sie den Eindruck haben, die Regierung verschleiere die Wahrheit. Anhänger von Verschwörungstheorien zeigen ein geringeres Vertrauen in politische Institutionen und berichten häufiger von zerbrochenen Freundschaften aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Pandemie.
Zusätzlich wird in der Studie festgestellt, dass 29 Prozent der Verschwörungstheorie-Gläubigen von Streitigkeiten mit Freunden erzählen, während nur 9 Prozent der Skeptiker solche Konflikte erleben. Diese Dynamik schafft eine weitere Schicht der politischen und sozialen Spaltung, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt weiter untergräbt.
Forschung zur gesellschaftlichen Resilienz und Maßnahmen
Die umfassenden Veränderungen, die die Pandemie in der Gesellschaft bewirkt hat, erfordern eine eingehende empirische Forschung. Projekte wie die von den Geistes- und Sozialwissenschaften haben das Ziel, die Herausforderungen und Problemlagen, die durch die Pandemie verstärkt wurden, zu analysieren. Insgesamt sind 18 Forschungsprojekte aktiv, die Fragen zur Wirksamkeit von Krisenbewältigungsmaßnahmen, zur Stigmatisierung, zu Veränderungen in der gesellschaftlichen Integration und zu den Auswirkungen auf die psychische Gesundheit betrachten.
Beispiele dieser Forschungsprojekte sind unter anderem LoneCOVID, welches sich mit der langfristigen Entwicklung sozialer Beziehungen beschäftigt, und CoESI, das die Veränderungen der sozialen Integration bei älteren Erwachsenen analysiert. [BMBF erläutert], dass die Erkenntnisse aus diesen Studien dazu dienen sollen, Politik und Gesellschaft bessere Handlungsmöglichkeiten zu bieten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Zukunft zu stärken.
In Anbetracht dieser tiefgreifenden Herausforderungen ist es angesichts der aktuellen Situation unerlässlich, den Dialog innerhalb der Gesellschaft zu fördern und alternative Perspektiven zu integrieren, um den Zerfall des gesellschaftlichen Gefüges aufzuhalten.