Am heutigen 27. Januar 2025 wird in Rotenburg und Sandbostel der Holocaust-Gedenktag gefeiert. Dieser Tag erinnert nicht nur an die Opfer des Nationalsozialismus, sondern markiert auch den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945. Bürgermeister Torsten Oestmann hebt die Bedeutung hervor, das Wissen über die Verbrechen des Nationalsozialismus lebendig zu halten und zeigt sich besorgt über die aktuellen politischen Verhältnisse und das zunehmende Unwissen über den Holocaust. In einer Gedenkstunde im Rathaus versammelten sich rund 100 Zuhörer, darunter mehrere junge Menschen, die in der zukünftigen Erinnerungskultur eine essentielle Rolle spielen sollen.

Mitveranstalter der Gedenkveranstaltung sind die Rotenburger Werke, deren Geschäftsführerin Sabine Ulrich in ihrer Ansprache das Thema Rassismus und Ausgrenzung in den Mittelpunkt stellte. An der Gedenkstätte Lager Sandbostel finden zudem drei Veranstaltungen anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz statt. Eine der Aktionen umfasst die Exhumierung und Umbettung eines mutmaßlich sowjetischen Kriegsgefangenen auf Wunsch dessen Sohnes. Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann berichtete von einem respektvollen Gedenken mit etwa 50 und 70 Besuchern bei den jeweiligen Veranstaltungen.

Erinnerungskultur und Herausforderungen

Das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur, die sich in über 300 Gedenkstätten und NS-Dokumentationszentren manifestiert. Schüler und Schülerinnen lernen im Geschichtsunterricht über den Nationalsozialismus, und verschiedene Wanderausstellungen konzentrieren sich auf die Geschichten der Überlebenden der NS-Verfolgung. Darüber hinaus fanden zahlreiche Kriegsverbrecher-Prozesse, darunter die Auschwitz-Prozesse, statt. Trotz dieser Bemühungen gibt es eine besorgniserregende Zunahme des Nichtwissens über den Holocaust, was in der öffentlichen Debatte vermehrt diskutiert wird.

Politischen Aktivisten und Organisationen, insbesondere rechtsextremen und rechtspopulistischen Gruppen, wird vorgeworfen, das Gedenken an die NS-Verbrechen anzugreifen. Jens Christian Wagner von der Buchenwald-Gedenkstätte sieht sich aufgrund seiner Position massiven Bedrohungen ausgesetzt. Auch Vandalismus und Holocaustleugnung in Gedenkstätten wird zunehmend wahrgenommen, was Veronika Hager von der Stiftung EVZ als alarmierend beschreibt.

Gesellschaftliche Verantwortung und Diskussion

Die Diskussion um die Erinnerungskultur ist komplex. Michel Friedman kritisiert die gegenwärtige Erinnerungskultur als zu ritualisiert und fordert eine stärkere Verantwortung für die noch lebenden Juden. Joseph Wilson von der Stiftung EVZ betont, dass Erinnerungskultur nicht automatisch Antisemitismusprävention impliziert. Angesichts steigender antisemitischer Übergriffe in Deutschland seit dem 7. Oktober 2023 ist es offensichtlich, dass die gesellschaftliche Verantwortung für die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte entscheidend ist.

In der Gedenkstätte Sandbostel wurden die historischen Baracken als Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus in vielen verschiedenen Farben beleuchtet, mit Regenbogenfarben als Symbol des Friedens und der Freiheit. Andreas Ehresmann äußerte Kritik an jüngsten Äußerungen, die bei Veranstaltungen der AfD über die NS-Zeit und die Erinnerungskultur gemacht wurden. Damit wird klar, dass das Bewusstsein für die NS-Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft weiterhin hochaktuell ist und die Erinnerungsarbeit in den kommenden Jahren dringend weiterentwickelt werden muss.