In der Diskussion um die Gleichstellung der Geschlechter in der Arbeitswelt zeigt eine aktuelle Studie aus Trier, dass das Thema weibliche Führungskräfte in Deutschland nach wie vor eine Herausforderung darstellt. Laut MDR liegt der Frauenanteil in Führungspositionen im Jahr 2023 bei 28,7 %, ein Anstieg gegenüber 25,8 % im Jahr 1992. Dennoch ist die Gleichberechtigung auf der Führungsebene noch nicht erreicht, da in einem typischen mittelständischen Unternehmen mit 122 Beschäftigten die Führungsebene aus drei Männern und einer Frau besteht.

Ein Überraschungseffekt fiel Rena Haftlmeier-Seiffert von der EQUA-Stiftung ins Auge, als sie bemerkte, dass Familienunternehmen keinen signifikanten Unterschied im Frauenanteil im Management im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen aufweisen. Dies könnte dem Eindruck geschuldet sein, dass in Familienunternehmen häufig Töchter nachfolgen. Der höhere Frauenanteil in jüngeren Jahrgängen bei familiengeführten Firmen wird vermutet, jedoch noch nicht erfasst.

Besondere Herausforderungen für Frauen in der Führung

Die Studie weist auf kulturelle und strukturelle Hindernisse hin, die Frauen den Aufstieg in Führungspositionen erschweren. Laut Destatis umfassen Führungspositionen Vorstände, Geschäftsführer und Führungskräfte in verschiedenen Branchen, einschließlich Handel, Produktion und Dienstleistungen. Während der Anteil der Frauen in akademischen Berufen 2023 erstmals 50,1 % erreicht, spiegelt sich dieser Erfolg nicht in der Führungsetage wider.

Die Herausforderungen sind gravierend: Der Frauenanteil beträgt nur 10 % in Führungspositionen bei Beschäftigten, während 25 % der Männer in diesen Rollen zu finden sind. Zudem variiert der Frauenanteil je nach Branche erheblich. Beispielsweise erreichen Frauen im Gesundheits- und Sozialwesen 40 %, während in Banken und Versicherungen lediglich 8-18 % der Führungskraft weiblich sind.

Notwendige Maßnahmen für mehr Gleichstellung

Es gibt vielfältige Maßnahmen, um die Situation zu verbessern. Das Handlungsfeld reicht von der Schaffung von mehr Betreuungsplätzen bis zur Ermöglichung flexiblerer Arbeitsbedingungen. Auch gesetzliche Vorgaben, wie sie in Ländern wie Frankreich oder Norwegen existieren, könnten helfen, um Unternehmen dazu zu bewegen, aktiv mehr weibliche Führungskräfte zu fördern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Abbau von Geschlechterstereotypen sowie die Unterstützung weiblicher Talente durch gezielte Förderprogramme. Der Bundeszentrale für polit. Bildung hebt zudem hervor, dass Unternehmen mit einem höheren Anteil weiblicher Führungskräfte tendenziell höhere Gewinne erzielen. Studien belegen diese Verbindung, was eine weitere Motivation für Unternehmen darstellt, aktiv zu handeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Gleichstellung in der Arbeitswelt ein komplexes Thema ist, das tief in den Strukturen der Unternehmen verankert ist. Es erfordert konzertierte Anstrengungen von Politik, Unternehmen und Gesellschaft, um die „gläserne Decke“ zu durchbrechen und Frauen den Zugang zu Führungspositionen zu erleichtern.