Am 23. März 2025 feierte die Inszenierung von „Frankenstein“ am Gorki-Theater in Berlin Premiere. Unter der Regie von Oliver Frljić, dem ehemaligen künstlerischen Co-Leiter des Theaters, wird das Stück als kalkulierte Provokation und Publikumsbeschimpfung beschrieben. Die Inszenierung behandelt die komplexe Beziehung zwischen Müttern und Söhnen und thematisiert die Frage nach dem wahren Monster im Menschen.
Die erste Szene eröffnet mit dem Schauspieler Marc Benner, der als Alter Ego des Autors über die Unterbringung seiner kranken Mutter im Pflegeheim klagt. Diese gewisse persönliche Note wird durch die Performance von Kate Strong verstärkt, die Mary Shelley spielt und über den Verlust ihrer Kinder spricht. Auch der Erzähler äußert seinen Unmut über Deutschland und zieht einen Vergleich zu einem politischen Monster. Frljić hat im Programmheft den Verlust seiner „künstlerischen Integrität“ durch das deutsche Theater thematisiert.
Provokation und Emotionen
Die Inszenierung umfasst groteske und slapstickartige Elemente, die das Publikum sowohl amüsieren als auch schockieren sollen. Dazu zählen Figurentausch und provokante Symbole. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Inszenierung privatistisch bleibt und universelle Themen auslässt. Ein erschütterndes Element der Aufführung ist der Selbstmord des Erzählers auf der Bühne, das sowohl für emotionale Reaktionen als auch für Diskussionen sorgen dürfte.
Die Theateradaption von „Frankenstein“ hat eine lange Geschichte, die bis zur Veröffentlichung des Romans zurückreicht. Die frühen Adaptionen wurden oft als subversiv und atheistisch kritisiert. William Beckford bezeichnete das Werk gar als „den widerlichsten Toadstool, der aus dem stinkenden Mist der Gegenwart gewachsen ist“. Richard Brinsley Peakes erste Adaption, „Presumption: or the Fate of Frankenstein“ (1823), war darauf ausgelegt, eine moralische Botschaft für ein konservatives Publikum zu vermitteln. In dieser Adaption wird Victor Frankenstein als typische Figur des verrückten Wissenschaftlers dargestellt.
Die Rezeption und Adaptationen
Der Autor eines Artikels auf IMDb reflektiert seine Begeisterung für Mary Shelleys „Frankenstein“ und dessen Adaptionen, darunter auch die Bühnenversionen. Die bevorzugten Filmversionen sind mit Colin Clive/Boris Karloff sowie Peter Cushing/Christopher Lee sehr bekannt. Auch die Bühnenproduktion des National Theatre, wo Jonny Lee Miller und Benedict Cumberbatch die Rollen von Frankenstein und seinem Wesen spielten, erlangte große Beachtung. Die Inszenierung wird als überraschend exzellent beschrieben und mit 9/10 bewertet. Insbesondere die Leistung des Hauptcasts fand großen Zuspruch.
Die dramatischen Elemente der Geschichte kommen in der aktuellen Inszenierung am Gorki-Theater energisch zum Tragen. Die Fotografien der Produktion zeichnen sich durch einen filmisch wertvollen Stil aus und die Atmosphäre wird als dunkel und gotisch, jedoch nicht zu düster charakterisiert. Es bleibt abzuwarten, wie das Publikum auf die außergewöhnlichen künstlerischen Entscheidungen reagieren wird, die Frljić getroffen hat.
Der Roman „Frankenstein“ hat eine kulturelle Relevanz, die weit über seine ursprüngliche Veröffentlichung hinausgeht und es bleibt spannend, wie neue Inszenierungen, trotz oder wegen ihrer kalkulierten Provokationen, die Diskussion um das Werk weiterhin anregen werden.