In der letzten Ratssitzung der Gemeinde Marienheide diskutierte die FDP die Möglichkeit der Einrichtung eines Ärztehauses. Der Fraktionsvorsitzende Jürgen Rittel stellte den Antrag, die Realisierbarkeit eines Ärztehauses oder Fachärztehauses zu prüfen. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer alarmierenden Prognose: Bis 2030 wird erwartet, dass die Hälfte der derzeit praktizierenden Hausärzte aus dem Berufsleben ausscheidet.
Rittel begründete den Antrag mit der Notwendigkeit, frühzeitig Maßnahmen zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung in der Region zu ergreifen. Ein entsprechendes Prüfverfahren soll dabei auch eine mögliche Finanzierung und die Suche nach einem geeigneten Grundstück berücksichtigen. Der Vorschlag, ein Genossenschaftsmodell in Betracht zu ziehen, ähnlich dem in Hülsenbusch, zeigt dabei innovative Lösungsansätze.
Medizinische Versorgung im ländlichen Raum
Die Diskussion um ein Ärztehaus in Marienheide spiegelt ein viel größeres Problem wider: Deutschland droht bis 2035 ein erheblicher Mangel an Hausärzten. Laut einer Studie der Robert Bosch Stiftung werden etwa 11.000 Hausarztstellen unbesetzt bleiben, wobei besonders ländliche Regionen in Bundesländern wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Baden-Württemberg betroffen sein werden. Fast 40 Prozent der Landkreise stehen vor einer Unterversorgung oder sind bereits unterversorgt.
Die Begründung für diesen Mangel liegt vor allem in der Altersstruktur der praktizierenden Hausärzte. Bis 2035 werden rund 30.000 Hausärzte altersbedingt ausscheiden, während der Nachwuchs in der gleichen Zahl nicht nachrücken wird. Diese Situation erfordert dringend innovative Lösungen wie den Aufbau regionaler Gesundheitszentren, die multiprofessionelle Teams bereitstellen sollten.
In Marienheide wird die Frage der täglichen medizinischen Versorgung besonders drängend. Bürgermeister Stefan Meisenberg warnte, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Gespräche mit den Hausärzten noch in vollem Gange seien, und äußerte Bedenken bezüglich der finanzwirtschaftlichen Machbarkeit eines Ärztehauses. Ähnliche Risiken sieht er in der Insolvenz des Medizinischen Versorgungszentrums in Derschlag und den Startschwierigkeiten in Nümbrecht.
Eine Gemeinschaftsaufgabe
Die Qualität der Gesundheitsversorgung ist für die Bevölkerung, insbesondere in ländlichen Regionen, von entscheidender Bedeutung. Eine Studie zeigt, dass die medizinische und pflegerische Versorgung einen wesentlichen Bestandteil der Daseinsvorsorge darstellt. Der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen ist hier oft eingeschränkt, was längere Anfahrtswege zur Folge hat.
Besonders ältere Menschen, die eine höhere Krankheitslast haben, benötigen eine wohnortnahe Versorgung. Der Zugang zu spezialisierten Behandlungsangeboten ist in ländlichen Gebieten häufig eingeschränkt, was die Notwendigkeit von modernen Versorgungskonzepten wie Kooperationen zwischen Haus- und Fachärzten sowie telemedizinischen Angeboten verdeutlicht. Die Bedarfsplanung muss dringend an die spezifischen Bedürfnisse der Region angepasst werden, um die Gesundheitsversorgung nachhaltig zu sichern.
In diesem Kontext wird die Forderung nach einem Ärztehaus in Marienheide zu einer wichtigen Debatte über die Zukunft der medizinischen Versorgung in ländlichen Räumen in Deutschland.