Am Abend des 6. März 2025 erhielt die Polizei in Aßling, Bayern, einen anonymen Notruf, der deutlich alarmierende Informationen enthielt. Der Anrufer berichtete von einer Person, die mit einem Messer niedergestochen worden sei. Diese Mitteilung führte zu einem massiven Polizeieinsatz, bei dem die Polizeiinspektionen Bad Aibling und Wasserburg zur Unterstützung herangezogen wurden. Trotz des wohlklingenden Notrufs stellte sich die Meldung als vollkommen unbegründet heraus, was die Beamten dazu veranlasste, ein Ermittlungsverfahren gegen den Anrufer wegen Missbrauchs von Notrufen einzuleiten, wie rosenheim24.de berichtet.
Der Vorfall in Aßling ist nicht isoliert. In den letzten Wochen und Monaten haben immer mehr solcher sogenannten „Fake-Anrufe“ die Polizeibehörden und Feuerwehren in Deutschland in Alarmbereitschaft versetzt. Ein Beispiel ist ein Vorfall in Neustadt/WN, bei dem ein Anrufer in der Freitagnacht angeblich von Schüssen und Geschrei berichtete und außerdem vermeldete, dass ein Haus brennt. Auch hier wurde ein Großaufgebot an Polizei und Feuerwehr alarmiert, doch es stellte sich heraus, dass es weder Streitigkeiten noch Feuer gab. In solchen Fällen haben die Einsatzkräfte mit den surrealen Situationen zu kämpfen, dass sie unter falschen Vorzeichen in Alarmbereitschaft versetzt werden, um schließlich unverrichteter Dinge wieder abzuziehen, berichtet oberpfalzecho.de.
Die Zunahme von Swatting-Fällen
Diese Art von Vorfällen deutet auf eine alarmierende Tendenz hin, die Experten bereits als „Swatting“ bezeichnet haben. Dabei handelt es sich um eine Form des Missbrauchs von Notrufen, die nicht nur Privatpersonen, sondern auch Politiker, Unternehmen und Schulen betrifft. In einem aktuellen Bericht von Deutschlandfunk wird auf die psychischen Folgen hingewiesen, die viele Opfer solcher Einsätze erleiden. Dazu zählen auch Betroffene, die psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen müssen, nachdem sie von schwer bewaffneten Einsatzkräften überrumpelt wurden.
Die Dunkelziffer solcher unerfreulichen Vorfälle ist erfahrungsgemäß hoch. In diesem Jahr wurden bereits 68 Straftaten gegen Streamer registriert, was auf das wachsende Phänomen und die damit verbundenen hohen Kosten für die Einsatzkräfte hinweist; allein die dokumentierten Fälle summieren sich auf mindestens 1,5 Millionen Euro. Das Bundeskriminalamt hat diese neuen Entwicklungen im Kontext des Missbrauchs von Notrufen festgehalten und warnt vor den Gefahren solch verantwortungslosen Verhaltens.
Die Motivation hinter solchen Anrufen ist oft Langeweile oder Rache. Experten raten dabei, persönliche Daten im Internet nicht preiszugeben, da Täter aufgrund illegaler Abfragen von Polizeidaten und Einwohnermeldeämtern in der Lage sind, solche Anrufe zu initiieren. Vergangene Woche fand zudem eine Razzia des BKA gegen eine Gruppe statt, die verdächtigt wird, hinter einer Reihe von Swatting-Fällen zu stecken. Solche Maßnahmen sind notwendig, um die Sicherheit der Bürger und die Integrität der Polizeiarbeit zu schützen.