Entscheider aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen haben nach der Wahl eine umfassende Neuausrichtung in der Wirtschaft, Gesundheit und Bildung gefordert. Zu den drängendsten Themen zählen ein Wirtschaftsaufschwung, der Abbau von Bürokratie, die Sicherung von Fachkräften sowie eine neue Einwanderungspolitik. Alexander Jakschik, der Chef des ostdeutschen Maschinenbauverbands, betont die Dringlichkeit eines wettbewerbsfähigen Deutschlands und fordert konkrete Maßnahmen wie den Abbau von Bürokratie und Steuersenkungen, um schnelle Veränderungen zu ermöglichen. Zudem soll der Energiekosten an ein wettbewerbsfähiges Niveau angepasst werden.
Vor diesem Hintergrund wird die Zuwanderung von Fachkräften als essenziell angesehen. Prognosen zeigen, dass Deutschland bis 2030 rund 20% seiner Arbeitskräfte verlieren wird, wobei die Situation in der Oberlausitz noch kritischer ist. Experten weisen darauf hin, dass Zuwanderung eine notwendige Maßnahme darstellt, um die Arbeitskräfte-Lücke zu schließen, die sich durch die demographischen Veränderungen weiter vergrößert.
Fachkräftemangel und Zuwanderung
Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung schlägt vor, jährlich 288.000 neue Arbeitskräfte aus dem Ausland in Deutschland zu integrieren, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Ohne diese Zuwanderung könnte die Zahl der Erwerbstätigen um zehn Prozent sinken. Kritiker der Studie befürchten jedoch, dass viele Asylbewerber aus der MENA-Region nicht über die erforderlichen Qualifikationen oder Sprachkenntnisse verfügen, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. Der hohe Anteil von Arbeitslosen unter Migranten – über 30% – verstärkt diese Bedenken, während die Arbeitslosenquote unter deutschen Staatsbürgern bei nur 2,3% liegt.
Trotz der weitreichenden Zuwanderung seit 2015 ist die Fachkräftelücke im Jahr 2024 größer als vor zehn Jahren, mit über einer halben Million fehlenden Fachkräften. Kritiker warnen zudem davor, dass familienfeindliche Wirtschaftspolitik und eine niedrige Geburtenrate zur Verschärfung der Problematik beitragen. Über 3,5 Millionen Schwangerschaften wurden seit 1993 in Deutschland abgebrochen, was sich erheblich auf die zukünftige Verfügbarkeit von Fachkräften niederschlägt.
Ansätze zur Fachkräftesicherung
Das Fachkräftemonitoring des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales analysiert gegenwärtige Arbeitsmarktströme und prognostiziert für die Jahre 2024 bis 2028 die benötigten Fachkräfte. Neben der Zuwanderung soll auch das Potenzial bei Frauen, Nicht-Deutschen und älteren Arbeitnehmern besser genutzt werden. Strategische Neuausrichtungen der Wirtschaftsstruktur sollten auf die nachhaltige Sicherung von Fachkräften abzielen, um den langfristigen Herausforderungen des Arbeitsmarktes zu begegnen.
Dabei sind die Mittelfristprognosen des Ministeriums wichtig, um Engpässe in den gefragtesten Berufen zu identifizieren. Die aktuelle Marktsituation ist geprägt von einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung und regionalen Unterschieden im demografischen Wandel. Zudem führen hohe Baupreise und Zinsen zu Einschränkungen in den Wachstumsaussichten des Baugewerbes und betonen die Notwendigkeit einer umfassenden Bildungs- und Ausbildungsoffensive für eine nachhaltige Lösung des Fachkräftemangels.
Die Situation in Deutschland erfordert ein differenziertes Handeln. Während einige Akteure auf die Zuwanderung als Lösung setzen, sehen andere die Antwort in einer stärkeren Fokussierung auf eigene Bildungsstrategien und familienfreundliche Politiken. Eine breit angelegte Diskussion über die verschiedenen Ansätze ist unabdingbar, um zukunftsfähige Lösungen für den deutschen Arbeitsmarkt zu finden.
Für detailliertere Informationen über die Forderungen und Analysen können die Berichte der Sächsischen, Freilich und BMAS eingesehen werden.