Die Verleihung des Margaretha-Linnery-Preises in Euskirchen war ein besonderer Anlass, der am heutigen Tag von der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises, Astrid Günther, inszeniert wurde. Ellen Mende wurde als „Frau des Jahres“ ausgezeichnet und war über die Ehrung sichtbar überrascht. Diese Preisvergabe, die seit fünf Jahren nicht mehr stattfand, stellt ein wichtiges Signal für Frauen dar, ihre Ziele mit Selbstbewusstsein zu verfolgen. Der Linnery-Preis, der vor 20 Jahren ins Leben gerufen wurde, trägt den Namen von Margaretha Linnery, die 1594 in Münstereifel eine Schule für Mädchen gegründet hatte, in der über 250 Jahre lang junge Frauen das Lesen, Schreiben und Nähen lernten.

Der Arbeitskreis Frauen, der die Preisträgerin auswählte, hat sich mittlerweile aufgelöst, was die Rückkehr der Preisverleihung umso bedeutsamer macht. Mende hat sich über Jahrzehnte für die Belange von Frauen eingesetzt und ist seit 31 Jahren Mitglied des Vereins „Frauen helfen Frauen“ in Euskirchen. Darüber hinaus hat sie als Diplompädagogin, die sich in ihrer Diplomarbeit mit Geschlechterrollen im Kindergarten beschäftigt hat, in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen gearbeitet, darunter die Schwangerenberatung bei der Caritas sowie die Mädchenarbeit beim Kinderschutzbund.

Einhergehende Herausforderungen für Frauenberatungsstellen

Parallel zu Mendens Auszeichnung steigen die Beratungszahlen in Frauenberatungsstellen bundesweit, ein Thema, das von Catharina Nies, der frauenpolitischen Sprecherin der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, angesprochen wurde. Bei ihrem Besuch des Landesverbands Frauenberatung Schleswig-Holstein in Neustadt informierte sie sich über die steigenden Beratungszahlen und die erhöhten Präventionsbedarfe. Diese Entwicklungen sind besonders prägnant für Frauen, die in ländlichen Gebieten leben oder mit besonderen Herausforderungen wie häuslicher Gewalt und Stalking konfrontiert sind.

Die Frauenberatung und Notruf Ostholstein bietet umfassende Dienste an, darunter Intervention und Anti-Gewaltberatung sowie psychosoziale Begleitung. Nies betonte zudem, dass Gewalt gegen Frauen ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt. Hierbei forderte sie den Aufbau eines landesweiten Kompetenzzentrums für geschlechtsspezifische Gewalt, um betroffenen Frauen schnellere Hilfe und umfassendere Unterstützung zu bieten.

Gesamtgesellschaftliches Problem

Statistiken belegen eine besorgniserregende Zunahme an Akutfällen häuslicher Gewalt seit 2020. 2022 verzeichnete die Polizei ein gleichbleibend hohes Niveau an Datenübermittlungen und Täter-Wegweisungen. Professionelle Beratung und Unterstützung müssen in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach einem Vorfall bereitgestellt werden, was die Präventionsarbeit beeinträchtigt. Maeve Reichel wies auf die Notwendigkeit von Aufklärungsarbeit hin und unterstrich die Bedeutung von Informationsveranstaltungen und Außensprechstunden, um Frauen in ländlichen Gebieten besser zu erreichen.

Die Preisverleihung von Ellen Mende wurde von einem ukrainischen Chor musikalisch umrahmt und in dem Rahmen auch eine Ausstellung von Ellen Schmauss eröffnet. Diese Ausstellung, „Weltenfrauen“, zeigt Fotografien von Frauen aus verschiedenen Ländern, die in Deutschland leben. Schmauss möchte mit ihren Arbeiten die positive Seite von Migration herausstellen und hat im Zuge des Projekts 160 Frauen in Deutschland getroffen.

Die Themen rund um Gewalt gegen Frauen und die Herausforderungen für frauenpolitische Initiativen bleiben aktuell und zeigen den großen Bedarf an Unterstützung und präventiven Maßnahmen. Die Arbeit von Mende und die entsprechenden Initiativen in verschiedenen Beratungsstellen sind dabei unerlässlich, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen und echte Veränderungen herbeizuführen.

Erfahren Sie mehr über die Preisträgerin und ihre Arbeit in den detaillierten Berichten von Kölner Stadt-Anzeiger, den steigenden Beratungsbedarfen von Der Reporter und den umfassenden Informationen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.