Am 27. Januar 2025 wird der 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau begangen. Dieser bedeutende Gedenktag, der seit 1996 in Deutschland offiziell als Holocaust-Gedenktag anerkannt ist, erinnert an die schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus und die Ermordung von über 1,5 Millionen Menschen in Auschwitz sowie mehr als sechs Millionen Jüdinnen und Juden während des Holocausts. Die Rote Armee befreite das Lager am 27. Januar 1945, was als Grundstein für zahlreiche Gedenkveranstaltungen im In- und Ausland dient.
In Nordrhein-Westfalen findet eine zentrale Gedenkveranstaltung in Düsseldorf statt, die von der Landesregierung und dem Landtag organisiert wird. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Landtagspräsident André Kuper werden Reden halten, während Irith Michelsohn, die Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland, ebenfalls zu Wort kommen wird. Um 11.30 Uhr erfolgt eine Kranzniederlegung am Deportations-Mahnmal in Düsseldorf, gefolgt von einer Gedenkstunde um 12.00 Uhr. Ein besonderes Augenmerk wird auf die von den Nationalsozialisten verfolgten Jüdinnen und Juden gelegt.
Generationen im Austausch
Im Rahmen der Gedenkveranstaltung wird ein Generationengespräch stattfinden, bei dem die Tochter und zwei Enkelinnen eines Holocaust-Überlebenden ihre Erfahrungen und Geschichten teilen. Dies unterstreicht die Bedeutung des persönlichen Gedenkens und des Gedächtnisses, das über die Zeit hinweg erhalten bleiben muss. Ein es ist beunruhigend, dass in einer Umfrage über 10% der jungen Erwachsenen in Deutschland nicht mit Begriffen wie Holocaust oder Shoa vertraut sind.
In Bonn wird eine Gedenkfeier um 11 Uhr im Schauspielhaus Bad Godesberg stattfinden. Schülerinnen und Schüler des Carl-von-Ossietzky Gymnasiums präsentieren Geschichten von Befreiten aus Bonn, während Oberbürgermeisterin Katja Dörner ein Grußwort spricht. Diese Veranstaltungen sind Teil einer umfassenden Gedenkkampagne in ganz Deutschland, die sich mit der Aufarbeitung der Diktaturzeit sowie der Verantwortung für die Opfer beschäftigt.
Gedenken in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg wird die Gedenkfeier ebenfalls am 27. Januar im Haus des Landtags in Stuttgart ausgerichtet. Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) wird dort eine Gedenkrede halten und Kränze niederlegen. Die Veranstaltung, organisiert in Zusammenarbeit mit Opfergruppen des Holocausts, wird live vom SWR übertragen. An weiteren Orten in Baden-Württemberg, wie Karlsruhe und Freiburg, finden zusätzliche Gedenkveranstaltungen statt, während das Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms bundesweit Filme zur Shoah zeigt und Diskussionsveranstaltungen plant.
Der „Tag der Menschlichkeit“ wird am Clara-Schumann-Gymnasium in Lahr gefeiert und bietet Workshops zu Themen wie Zivilcourage und Toleranz an. Dies ist besonders wichtig, da das Gedenken an den Holocaust zahlreiche Facetten und Fragestellungen umfasst und kontinuierlich neue Generationen erreicht werden müssen.
Gesellschaftlicher Kontext
Das Gedenken erfordert ein tiefes Wissen über die historischen Ereignisse und stellt einen gesellschaftlichen Prozess dar, an dem viele Institutionen teilnehmen. Überlebende des Holocaust haben wiederholt ein Gedenken gefordert, das nicht nur Mahnen, sondern auch Lehren für ein „Nie wieder“ umfasst. In den letzten Jahrzehnten hat das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Gedenkens in der westdeutschen Gesellschaft zugenommen. Gedenkstätten verzeichnen steigende Besucherzahlen, insbesondere von Jugendlichen, die zunehmend die Relevanz und Aktualität dieser Erinnerungsformate hinterfragen.
Die COVID-19-Pandemie hat zu digitalen Gedenkformaten geführt, die einen neuen Zugang zur Geschichte bieten, jedoch nicht die persönliche Begegnung mit Zeitzeugen ersetzen können. Antisemitismus und rassistische Übergriffe sind nach wie vor Teil der Gesellschaft, ebenso wie rechtspopulistische Strömungen, die die Erinnerungskultur infrage stellen. Daher bleibt es entscheidend, die Bedeutung von Gedenktagen und -veranstaltungen zu reflektieren und unterschiedliche Formen des Erinnerns wohlüberlegt umzusetzen.
Es ist unerlässlich, den Opfern des Nationalsozialismus Gedenken zu schenken und gleichzeitig die Lehren aus dieser dunklen Kapitulation der Geschichte nicht zu vergessen. Damit soll sichergestellt werden, dass Ereignisse wie der Holocaust nie wieder geschehen können.
Die gesamte Gesellschaft ist gefordert, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus weiterhin Raum findet und die Mahnung für zukünftige Generationen lebendig bleibt.
Für weitere Informationen zu den Gedenkveranstaltungen können Sie die Artikel von Dewezet, Tagesschau und bpb nachlesen.