Die TU Berlin hat ein innovatives digitales Simulations-Tool mit dem Namen DiSTILL entwickelt, das darauf abzielt, das Lausitzer Revier als internationale Logistikdrehscheibe weiterzuentwickeln. Die erste Live-Version des Tools ist seit dem 28. Januar 2025 verfügbar und wurde mit 2,15 Millionen Euro vom Bundesministerium Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert. Diese Initiative ist besonders wichtig, da das Lausitzer Revier, eines der bedeutendsten Braunkohlereviere Deutschlands, stark von der Kohleindustrie geprägt ist und vor einem gewaltigen Wandel steht: dem geplanten Kohleausstieg bis 2038.
Dieser Strukturwandel stellt die Region vor Herausforderungen, die sich nicht nur auf das wirtschaftliche Wachstum auswirken, sondern auch auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Aufgrund ihrer zentralen Lage in Europa sowie einer gut ausgebauten Energie- und Industrieinfrastruktur hat die Region das Potenzial, sich als Logistikdrehscheibe zu etablieren. Um dieses Potenzial zu nutzen, müssen jedoch bestehende Defizite überwunden werden, wie die unzureichende Verkehrs- und Digitalinfrastruktur sowie eine stark auf Kohle ausgerichtete Wirtschaftsstruktur.
Das Ziel von DiSTILL
DiSTILL hat das Ziel, logistische Infrastruktur und Anforderungen in einem digitalen Simulationsmodell abzubilden. Es ermöglicht die Visualisierung und Bewertung standortbezogener Infrastruktur- und Transportinformationen. Politische Entscheidungsträger*innen können die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um die regionale Logistikwirtschaft zu fördern. Zudem analysiert das Tool aktuelle und zukünftige logistische Anforderungen an die Region und simuliert „Was-wäre-wenn“-Szenarien, die potenzielle Veränderungen in den Transportnetzwerken bewerten.
Durch DiSTILL können Engpässe im regionalen Transportnetzwerk identifiziert und die Logistikleistungsfähigkeit besser bewertet werden. Die geplante Erweiterung des Tools im Jahr 2025 wird weitere präzisere Analysen und Planungen im Logistikbereich ermöglichen. Dazu gehören unter anderem die Visualisierung von Auslastungsdaten und die Bewertung von Gewerbestandorten.
Herausforderungen und Möglichkeiten
Der Strukturwandel in Kohleregionen zielt auf soziale Absicherung und wirtschaftliche Neuausrichtung ab. Der Begriff „Strukturwandel“ wird oft als verharmlosend wahrgenommen, betrifft jedoch Regionen mit wirtschaftlichen Monostrukturen wie der Kohleindustrie. Der Kohleausstieg wird als schmerzhaft angesehen, doch zeigt sich, dass Erfahrungen aus der Vergangenheit hier hilfreich sein können. Aktuell arbeiten noch etwa 27.000 Menschen im Kohlesektor, während dieser in den 1950er Jahren über 600.000 Beschäftigte zählte.
Dennoch muss betont werden, dass die Planungssicherheit für Betroffene entscheidend ist, um langfristige Strukturwandelprozesse erfolgreich zu gestalten. Historische Strukturpolitiken in Deutschland haben gezeigt, dass soziale Härten abgemildert werden können. Erfolgreiche Beispiele wie die Regionalförderungsprogramme im Ruhrgebiet belegen, dass gezielte Investitionen entscheidend für den Transformationsprozess sind. Im Gegensatz dazu war die wirtschaftliche Neuausrichtung in der Lausitz weniger erfolgreich, wobei andere Regionen wie Mitteldeutschland erfolgreich wissensintensive Wirtschaftszweige angesiedelt haben.
Insgesamt ist der digitale Wandel, verkörpert durch Initiativen wie DiSTILL, ein zentraler Bestandteil der Transformation der Lausitz. Durch die Integration der breiten Öffentlichkeit und die Berücksichtigung der Erfahrungen der Betroffenen kann der Strukturwandel nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance für soziale und wirtschaftliche Fortschritte genutzt werden. Die TU Berlin und E3G setzen auf interdisziplinäre Ansätze, um die Region zukunftssicher zu machen.