Die „Anti-Baby-Pille“ hat in den letzten 65 Jahren das Leben von Frauen entscheidend verändert. Ursprünglich als Symbol sexueller Freiheit gefeiert, steht die Pille heute zunehmend in der Kritik. Laut einem Bericht von der Universität Siegen spricht Dr. Uta Fenske vom Zentrum für Gender Studies über die komplexe Rolle der Pille in der Gesellschaft. Sie veränderte das Sexualleben heterosexueller Frauen im gebärfähigen Alter, ermöglichte ihnen eine zuverlässige Familienplanung und verbesserte ihre Lebens- und Karriereplanung.

Die Einführung der Pille war in Deutschland ein langwieriger Prozess. In der Bundesrepublik wurde sie als „Anti-Baby-Pille“ bekannt, während sie in der DDR als „Wunschkindpille“ bezeichnet wurde. In den 1970er Jahren nahm bereits ein Drittel der Frauen im gebärfähigen Alter die Pille, die damals in einem gesellschaftlichen Umfeld entstand, in dem Verhütung noch ein Tabuthema war. Ihr Einfluss auf die öffentliche Diskussion war jedoch erheblich.

Gesellschaftliche Veränderungen und Kritik

Die Ansichten über die Pille sind gespalten. Während einige sie als Befreiung empfanden, warnten andere vor möglichen gesundheitlichen Risiken. Dieser ambivalente Blick auf die Pille spiegelt sich auch in den Reaktionen der Neuen Frauenbewegung wider. Forderungen nach der Kostenübernahme durch Krankenkassen wurden laut, während gleichzeitig kritische Stimmen die gesundheitlichen Nebenwirkungen anprangerten. Setzt sich der Trend fort? Heute nutzen nur noch knapp 38 Prozent der Frauen die Pille, während das Kondom als Verhütungsmittel immer beliebter wird.

Kritische Einstellungen zur hormonellen Empfängnisverhütung haben seit 2018 zugenommen. Frauen berichten über Nebenwirkungen wie Verstimmungen, Depressionen, Kopfschmerzen und Libidoverlust. Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass 64 Prozent der sexuell aktiven Männer die Pille als belastend empfinden, was auf eine sich verändernde Wahrnehmung in der Gesellschaft hinweist. Diese Annäherung der Ansichten von Frauen und Männern zur Pille könnte als Schritt in Richtung einer gleichberechtigteren Gesellschaft gewertet werden.

Ressourcen und neue Ansätze

Informationen des BMBF wurden neue Verhütungsmethoden besprochen, die weniger Nebenwirkungen zeigen und auch besser auf die Bedürfnisse jüngerer Menschen abgestimmt sind.

Dr. Petra Frank-Herrmann von der Universitätsfrauenklinik Heidelberg äußerte Bedenken bezüglich der Nutzung von Zyklus-Apps zur nicht-hormonellen Verhütung, während Prof. Dr. Timo Strünker Forschungsansätze zu nicht-hormonellen Verhütungsmitteln für Männer erläuterte. Ein Bedarf an mehr Optionen auch für Männer und zeugungsfähige Personen wurde deutlich, um die reproduktive Gesundheit umfassend zu adressieren.

Seit 2023 unterstützt das BMBF fünf interdisziplinäre Nachwuchszentren für reproduktive Gesundheit in fünf Städten, mit einem Förderumfang von etwa 16 Millionen Euro. Diese Zentren fokussieren auf verschiedene Aspekte, darunter Frauengesundheit und männliche Fortpflanzungsfähigkeit. Auch eine neue Fördermaßnahme zur Endometriose-Forschung ist in Planung, die ab September 2024 mit rund zehn Millionen Euro unterstützt werden soll.