Wernher von Braun, ein Name, der sowohl für technologische Errungenschaften als auch für umstrittene historische Verstrickungen steht, war ein zentraler Akteur in der Entwicklung der Raketentechnologie im Dritten Reich. Gemeinsam mit Walter Dornberger arbeitete er ab 1939 am Aggregat 4 (A4), besser bekannt als die V2-Rakete, welche als Vergeltungswaffe 2 während des Zweiten Weltkriegs Verwendung fand. Die V1, entwickelt von der Firma Fieseler, war bereits 1942 als erster Marschflugkörper erfolgreich getestet worden und sollte ein Vorläufer von den späteren Entwicklungen darstellen. Mit einer Länge von 7,74 Metern und einer Sprengladung von 850 kg wurde sie von Startrampen oder Flugzeugen abgesetzt und stellte eine neuartige Bedrohung dar. Der letzte Einsatz der V1 fand am 5. Januar 1945 gegen London statt. Trotz ihrer maximalen Geschwindigkeit von 650 km/h war diese Waffe anfällig für alliierte Jagdflugzeuge, was den späteren Fokus der deutschen Rüstungsindustrie auf fortschrittlichere Raketen wie die V2 lenkte. Diese jedoch war nicht rechtzeitig einsatzbereit.
Einen entscheidenden Einfluss auf die Raketentechnologie hatte die SS unter Hans Kammler, der im April 1943 die Kontrolle über alle Raketenprojekte übernahm. Neben den V-Waffen wurden auch andere Projekte wie die Ruhrstahl X-4 und die Enzian entwickelt. Eine bemerkenswerte geplante Waffe war die V-101, auch bekannt als „Thors Hammer“, eine mehrstufige Feststoffrakete mit einer Reichweite von 1.800 km. Pläne für eine bemannte Variante der Amerika-Rakete, die eine Reichweite von 5.500 km hatte und den Einsatz eines Schleudersitzes für Piloten vorsah, wurden ebenfalls formuliert. Diese Entwicklungen waren jedoch nicht in den Einsatz gekommen.
Von Braun nach dem Krieg
Nach dem Ende des Krieges floh Wernher von Braun mit seinem Team in amerikanische Gefangenschaft. Nachdem sie mit den US-Behörden verhandelt hatten, wurde er in die Vereinigten Staaten gebracht, wo er eine herausragende Karriere bei der NASA einleitete. Er wurde Direktor des Marshall Space Flight Center und war maßgeblich an der Entwicklung der Saturn-Raketen beteiligt, die letztendlich die Apollo-11-Mission ermöglichten. Neil Armstrong betrat am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond, was von Braun als Erfüllung eines Traums ansah, für den er mehr als vier Jahrzehnte gearbeitet hatte. Seine Erfolge in der Raumfahrt brachten ihm große Bekanntheit und Beliebtheit ein, doch die Vergangenheit als Rüstungsingenieur während des Dritten Reiches blieb nicht ohne Kontroversen.
Von Braun war in die Anwerbung von Häftlingen aus Konzentrationslagern involviert, die unter extremen Bedingungen zur Herstellung der V2-Raketen arbeiteten. Viele dieser Arbeiter starben. Trotz seiner Erfolge äußerte er sich nie öffentlich zu seiner Rolle im Dritten Reich und darüber hinaus blieb die breite Öffentlichkeit über seine Verbindung zu NS-Verbrechen uninformiert. Die Diskussion um seine Verantwortung wurde im Rahmen des Dora-Prozesses in den späten 1960er Jahren neu entfacht, als Wernher von Braun als potenzieller Zeuge angehört werden sollte.
Von Brauns Erbe und kritische Aufarbeitung
Die Mondlandung, ein Höhepunkt von Brauns Karriere, wurde von Historikern und Kritikern als zweischneidiges Schwert wahrgenommen. Rainer Eisfeld weist darauf hin, dass die Begeisterung über den Mondflug nicht das Leid vergessen lassen sollte, welches für diesen Erfolg auf der Erde verursacht wurde. Die Legende von Braun als unbescholtener Raumfahrtenthusiast wurde von zahlreichen Forschungen widerlegt, die seine aktive Rolle in den Verbrechen des NS-Regimes beleuchten. Dennoch wurde er nach seiner NASA-Zeit zum Vizepräsidenten bei Fairchild und erhielt in der Bundesrepublik Deutschland das Große Verdienstkreuz.
Wernher von Braun, der in den 1970er Jahren weniger aktiv wurde, starb 1977 in Alexandria, USA, im Alter von 65 Jahren an Krebs. Seine kontroverse Vergangenheit wird auch heute noch thematisiert, wie der Fall einer Schule zeigt, die 2014 ihren Namen änderte, um sich nicht mit seinem umstrittenen Leben in Verbindung zu bringen.